Faul. Ungebildet. Desinteressiert. Selber schuld. Als Kind von zwei Langzeitarbeitslosen weiß Anna Mayr, wie falsch solche Vorurteile sind - was sie nicht davor schützte, dass ein Leben auf Hartz IV ein Leben mit Geldsorgen ist und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Früher schämte sie sich, dass ihre Eltern keine Jobs haben. Heute weiß sie, dass unsere Gesellschaft Menschen wie sie braucht: als drohendes Bild des Elends, damit alle anderen wissen, dass sie das Richtige tun, nämlich arbeiten. In ihrem kämpferischen, thesenstarken Buch zeigt Mayr, warum wir die Geschichte der Arbeit neu denken müssen: als Geschichte der Arbeitslosigkeit. Und wie eine Welt aussehen könnte, in der wir die Elenden nicht mehr brauchen, um unseren Leben Sinn zu geben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2020
Gerald Wagner hat nichts gegen die "echten" Erfahrungen der Armut, die Anna Mayr in ihrem Buch schildert. Das ist besser als nur vom Hörensagen darüber zu schreiben, findet er. Allerdings gerät der Autorin der Rückblick in die eigene Hartz-V-Kindheit mitunter zu selbstgerecht, apologetisch, ja rührselig, kritisiert er. Dass die Autorin "es geschafft" hat, aber nicht um Anerkennung buhlt, stellt Wagner gleichwohl fest. Was den Rezensenten an Mayrs Buch wirklich auf die Palme bringt, ist dies: Eine Lückenhaftigkeit, die weder soziologische Arbeitsmarktforschung noch politische Philosophie noch regionale Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit in Betracht zieht. Der Rest wirkt immerhin angelesen, schimpft Wagner.
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