Was heißt es, wenn man im Monat von 345 Euro leben muss? Oder wenn man von 30.000 Euro Schulden erdrückt wird? Wie tief fällt ein Ingenieur, der aus einem scheinbar gesicherten Dasein in die Armut stürzt? Wie schlägt sich eine Mutter durch, die höchstens 88 Cent für ein Frühstück ausgeben kann? Oder die vierköpfige Familie, die von Arbeitslosengeld II lebt? Nadja Klinger und Jens König porträtieren Menschen, die von der Gesellschaft abgehängt werden. Denn die Armut in Deutschland breitet sich immer mehr aus, die Mittelschicht ist vom Abstieg bedroht - und die Kluft zwischen Arm und Reich groß wie nie. So hat sich fast unmerklich eine Gruppe gebildet, die beständig wächst: die neue Unterschicht der Besitz- und Bildungslosen. Zu ihr zählen Hartz IV-Empfänger genauso wie gescheiterte Architekten. Die einen sind tief gefallen, die anderen nie aufgestiegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.11.2006
Alexander Jürgs würde dieses Buch am liebsten jedem Politiker zur Lektüre verordnen, denn den Autoren Nadja Klinger und Jörg König gelingt es darin, der aktuellen Armutsdiskussion neue Aspekte abzugewinnen und gängigen Stereotypen entgegenzuwirken, wie er preist. Insbesondere wendeten sich die Autoren gegen das Vorurteil, die neue ?Unterschicht' verharrt ohne Antrieb am Ende der sozialen Leiter. Deshalb schilderten die Autoren in ihren Porträts die verschiedensten Menschen, die engagiert und verzweifelt gegen ihre prekäre Lage ankämpften, so der Rezensent anerkennend. Jürgs gefällt, dass die Autoren pointierte Meinungen nicht scheuen und dass sie mit ihren subjektiv ausgewählten Biografien von Harz IV-Empfängern und an der Armutsgrenze Lebenden die Armutspolitik Deutschlands anprangern. Mit ihren zum Schluss aufgeführten sieben Thesen zur Bekämpfung von Armut könnten die Autoren zwar auch nicht alle Probleme lösen, ihre Forderungen lobt der insgesamt sehr eingenommene Rezensent aber als "klug und originell".
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