Wir sind die Summe der Erfahrungen, die wir machen. Für ein Hartz IV-Kind zählen aber auch die, die es nicht macht: wie Familienurlaub, Klassenausflug, Musikunterricht oder einfach mal ein Eis essen gehen. Undine Zimmer erzählt davon, was das tatsächlich bedeutet: von ihren Eltern, die als nicht integrierbar in den Arbeitsmarkt gelten, von mitleidigen Lehrern, verständnislosen Sachbearbeitern, der Furcht bloßgestellt zu werden und dem ständigen Gefühl, nicht dazuzugehören. Jenseits aller Klischees gibt sie einen Einblick in eine Welt, über die zwar viel geredet wird, aber von der kaum wirklich jemand etwas weiß. Ein einfühlsamer und authentischer Bericht, der zeigt, dass Chancengleichheit und Klassenlosigkeit in Deutschland immer noch unerreichte Ziele sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Wenn man den ganzen Ballast mal weglässt, die gänzlich unanalytischen autobiografischen Erzählungen der Autorin über die Fressattacken des Vaters, über die Kochkünste der Oma und die eigene Unlust im Studium, bleibt ein gut sitzender Text mit der richtigen Dosis Innenschau, meint Florentine Fritzen, also eigentlich der Essay, auf dem das Buch basiert. Leider hat das Ganze nun 256 Seiten und nervt die Rezensentin mit einer Nähe zu dieser Hartz-IV-Familie, die sie gar nicht will. Endlich zum Kern vorgestoßen erkennt die Rezensentin allerdings, dass etwas haften bleibt von der Lektüre. Die Ahnung nämlich, dass Armut nicht nur einen Mangel an finanziellen Mitteln bedeutet, sondern auch den Mangel an Glauben an Bildungs- und Aufstiegschancen.
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