Aus dem Russischen von Aleander Nitzberg. n der russischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts gibt es noch immer Dichter zu entdecken. Ihre Dichtung aber ist vielfach mit einem tragischen Schicksal verbunden. Die Lyrikerin Anna Radlowa bildet darin keine Ausnahme. Ihr Werk hat indessen seine expressive Kraft bewahrt. In einer Zeit der Verunsicherung und Suche nach spirituellen Werten gewinnt es durch seine Frische, Direktheit und Bildmächtigkeit erneut an Bedeutung. Der vorliegende Band vereinigt erstmals zwei zentrale Werke von Radlowa auf deutsch, den Gedichtband "Der Flügelgast" (1922) und das Versdrama "Das Schiff der Gottesmutter" (1923).
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 22.03.2007
Olga Martynova freut sich, eine im deutschen Sprachraum bisher unbekannte Dichterin und Dramatikerin vorstellen zu können. Die 1891 in Petersburg geborene Anna Radlowa gehörte zur künstlerischen Avantgarde der russischen Moderne. Sie schrieb in der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und verarbeitete in dem historischen Drama "Das Schiff der Gottesmutter" in spätromantischer Manier Ereignisse am Hof des Zaren Alexander, die sich indirekt auch auf die Oktoberrevolution beziehen lassen, so die Rezensentin. Dabei gehe ihre Verstechnik, die sich auf Volkslieder zurückführen lässt, eigenständige Wege und weise bereits ins späte 20. Jahrhundert voraus. Nach ihrem Tod im Lager im Jahr 1949 wurde die Werkausgabe in Russland erst 1997 veröffentlicht. Martynova hofft, dass sich zu den jetzt vorliegenden Texten Anna Ratlowas in Zukunft weitere, in Vergessenheit geratene Dichter der russischen Moderne hinzugesellen werden und lobt Verlag und Übersetzer für ihr Engagement.
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