Anatol von Steiger

Dieses Leben

Gesammelte Gedichte. Russiscj - Deutsch
Cover: Dieses Leben
Ammann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783250105220
Gebunden, 456 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen, eingeleitet und herausgegeben von Felix Philipp Ingold. Für Nabokov war er der bedeutendste Dichter des "Russischen Paris", Marina Zwetajewa schrieb ihm leidenschaftliche Briefe - dennoch blieb Anatol von Steiger zeitlebens ein Außenseiter: ein Russe mit Schweizer Wurzeln, ein Emigrant mit Berner Bürgerrechten, ein Poet ohne Vorbilder, der sämtliche literarische Strömungen an sich vorbeiziehen ließ. Der emphatischen Dichtung seiner Zeitgenossen setzte Steiger Verse von Tschechowscher Klarheit entgegen, während sein kurzes Leben von Ausschweifungen, Extravaganzen und stilistischem Kalkül geprägt war. In der Übersetzung von Felix Philipp Ingold liegen Steigers Gedichte erstmals auf deutsch vor. Darüber hinaus zeichnet Ingold die Lebensspuren des Dichters akribisch nach - vom untergegangenen Zarenreich über die Pariser Emigrantenszene bis hin in die Schweiz der vierziger Jahre. Die zweisprachige Werkausgabe dokumentiert das kurze Leben des Anatol von Steiger anhand einer Vielzahl historischer Fotos und zeitgenössischer Stimmen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2008

Anatol von Steiger verkörpert für den Rezensenten Ulrich Schmid "konsequenten Nonkonformismus" schweizerischer Spielart, der auch Autoren wie Robert Walser, Blaise Cendrars oder Charles-Albert Cingria auszeichnet. Steiger, lesen wir, war der Spross einer im frühen 19. Jahrhundert nach Russland ausgewanderten Familie, die sich der neuen Heimat schnell anpasste, dort adlig und wohlhabend wurde, aber nie die Schweizer Staatsbürgerschaft aufgab. Das kam der Familie natürlich zugute, als sie vor der russischen Revolution zurück in die Schweiz flüchtete. Steiger, ein "überzeugter Aristokrat", flirtete politisch eine Zeit lang mit den faschistischen Jungrussen, die wiederum mit dem gegen die "Altbolschewisten" vorgehenden Stalin sympathisierten, bis 1937 sein Cousin während des großen Terrors erschossen wurde. Von da an, so Schmid, rückte Steiger nach links, zum Volk hin. Diese "Fluchtbewegung aus dem bürgerlichen Leben" und seine offen bekannte Homosexualität scheinen das Unterfutter seiner Gedichte auszumachen. Der Form nach, so Schmid, sind diese "fein ziselierten Sprachkunstwerke" Gedichte, die die Regeln für Reim und Metrum respektieren, inhaltlich aber lesen sie sich "wie sorgfältig formulierte Prosa". Vladimir Nabokovs Verdikt, Steiger sei "sehr zweitrangig", kann unser Rezensent jedenfalls absolut nicht teilen.

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