Tatarinowa, 1931 verfasst, konnte zu Lebzeiten Anna Radlowas nicht veröffentlicht werden. Die Erzählung behandelt die russische Geschichte, brandmarkt aber den 'Zarismus' nicht, sie spricht von Sektierern, Glaubenshysterikern, Selbstverstümmlern, ohne jedoch antireligiös zu sein. Die Erzählung lag im Archiv, bis sie 1997 zusammen mit anderen Texten von Anna Radlowa (einem Theaterstück und Gedichten) in Moskau erschien - durch das Engagement von Alexander Etkind. Wir verfolgen die Geschichte einer Kastratensekte, der 'geistigen Skopzen', die sich in den höchsten Gesellschaftskreisen der Hauptstadt Petersburg etablierte. Wir sehen lebendige, leidende, sündigende Menschen und ihre Versuche, dem Leid mit Glauben zu begegnen. Wir erleben hautnah, wie die Eiferer und Zweifler (darunter große Persönlichkeiten - Maler, Heerführer, sogar Zar Alexander I. - und einfache kleine Menschen) Jekaterina Tatarinowa um Hilfe im schwierigen Geschäft des Lebens ersuchen und wie diese ihre letzten Kräfte für diese Hilfe aufwendet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.10.2015
Rezensentin Nadja Erb freut sich über das Erscheinen der 1931 entstandenen Novelle von Anna Radlowa auf Deutsch. Wie die Autorin das Treiben der Skopzensekte in Petersburg als Collage aus realen Personen, Dokumenten, Briefen, Chroniken und Fiktivem erzählt, hat Erb fasziniert. Auch wenn es nicht um historische Genauigkeit geht und die Autorin Fakten nur als Folie benutzt, um die Geschichte einer Erlöserin zu erzählen, ja selbst Petersburg nur als Topos der russischen Literatur begreift, findet Erb den so entstehenden Kontrast, der sich auch sprachlich niederschlägt, wie sie erklärt, reizvoll.
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