Aus dem Hebräischen von Ruth Achmala. Exil- und Migrationsliteratur ist so alt wie die Literatur selbst. Gerschon Schoffmann war aus dem Zarenreich nach Galizien und weiter nach Wien emigriert und hatte sich 1921 in einem Vorort von Graz niedergelassen; 1938 floh er ein zweites Mal, diesmal vor den Nazis. Und er schrieb seine Erzählungen von der ersten Veröffentlichung an (1902) auf Hebräisch. Eins seiner großen Vorbilder war Peter Altenberg, den er in Wien kennengelernt (und ins Hebräische übersetzt) hatte. Schoffmann - ein hebräisch schreibender österreichischer Dichter, der in Österreich bis heute nicht wahrgenommen wurde?
"Nicht für immer" ist die erste Sammlung seiner Texte, die auf Deutsch erscheint. Sie schlägt einen Bogen von den Geschichten über das zaristische Schtetl, die Kindheit in der russischen Provinz, die Bedrohungen durch verschiedene Kriege, das Elend der Soldaten, der Verwundeten und Deserteure, Armut und Einsamkeit in den Krisenjahren (wobei diese Krisenjahre für manche keinen Anfang und kein Ende hatten), die permanente Bedrohung durch einen immer tödlicher organisierten Antisemitismus; und egal, ob die Erzählungen nur eine halbe oder sehr viele Seiten umfassen, Schoffmanns Blick für das Wesentliche garantiert für Einblicke in vergangene (und gar nicht so vergangene) Lebenszusammenhänge.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2017
Rezensent Jakob Hessing liest die Erzählungen des neuhebräischen Erzählers Gerschon Schoffmann mit Gewinn. Dass der Autor selbst in Israel erst spät wiederentdeckt wurde, leuchtet Hessing ein. Was Schoffmann als Chronist aus dem nationalsozialistischen Alltag der Zwischenkriegsjahre aus seiner Wahlheimat Österreich berichtet, scheint ihm nicht dazu geeignet, den Zionisten zu gefallen. Für ihn aber sind die Texte in der "schönen" Übertragung von Ruth Achlama in all ihrer Deutlichkeit berührend und die Entdeckung wert.
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