"das alles hier, jetzt." handelt vom Umgang mit dem Tod einer eng befreundeten Person und einer Reise quer durch Raum und Zeit. Anna Stern beschreibt eindringlich die Ohnmacht in den Wochen nach dem Tod und den Sog des Erinnerns, der die Vergangenheit festhalten will, bevor die Erzählung in einer unerhörten Befreiungsaktion aus der Trauer mündet. Ananke stirbt jung nach kurzer Krankheit und hinterlässt im Freundeskreis eine unerträgliche Lücke. Sie trauern und beschwören die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit: die Erlebnisse in Kinder- und Jugendtagen, die enge Verbundenheit der gesamten Gruppe, wunderschöne Sommer, auch erste Konflikte. Die Freunde suchen verzweifelt, finden aber keinen Ausweg aus ihrer Lähmung. Bis eine radikale Idee alles erneut auf den Kopf stellt: Auf geht's zu einem befreienden Road-Trip, mit einem ganz klaren Ziel … In jeweils kurzen Fragmenten des Jetzt und der Vergangenheit kontrastiert Anna Stern die trauernden Freunde mit der schillernden Welt der guten Erinnerungen, die durch geschlechtsneutrale, unbekannte Vornamen immer auch leicht entrückt wirkt. Im zweiten Teil des Romans, der linear erzählt wird und der Bewegung entsprechend Tempo aufnimmt, entdeckt der Leser eine bisher unbekannte erzählerische Seite von Anna Stern.
Rezensentin Christel Wester lernt, was Trauer bedeutet, mit Anna Sterns Roman. Auch wenn der um einen Verlust und seine Bewältigung kreisende Text durch den Verzicht auf Personal- und Possessivpronomen, Kleinschreibung, Leerseiten und die Einteilung der Seiten in Jetztzeit und Vergangenheit auf Wester mitunter abstrakt und wie eine Versuchsanordnung wirkt, erreicht sie das so festgehaltene Leid der Trauer doch. Das liegt laut Wester daran, dass die Autorin poetisch Stimmungen festhält und schwer zu erfassende Emotionen. Für die behandelte Frage, wie mit einem Verlust umzugehen sei, insgesamt eine durchaus akzeptable Form, findet Wester.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2020
Rezensentin Christiane Pöhlmann imponiert, wie Anna Stern in ihrem vierten Roman mit Sprache umgeht. Als Formexperiment kann sie der Roman letztlich aber nicht überzeugen. Zu mächtig erscheint ihr der Formfaktor, der den Inhalt schließlich unter sich begräbt, wie sie schreibt. Dabei sind die angesprochenen Themen Trauer, Verlust, Individuum vs. Gruppe, Familie, Umwelt für Pöhlmann gekonnt komponiert. Die konsequente Kleinschreibung, eine ungewöhnliche Interpunktion sowie die durch besondere Namen suggerierte fiktive Geschlechtslosigkeit der Figuren absorbieren beim Lesen aber dann doch zu viel Aufmerksamkeit, findet die Rezensentin. Etwa, wenn die Leserin selbst entscheiden muss, ob es sich bei einem Satz um eine Frage handelt oder nicht, und was das Fehlen des Fragezeichens zu bedeuten hat. Ein Text wie ein Selbstgespräch, findet Pöhlmann.
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