Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm und Oswald Egger. Nachwort von Erik Lindner. Anneke Brassingas Gedichte umkreisen ein zentrales Paradox unserer menschlichen Existenz: nichts weiter zu sein als ein Stück Materie - und doch mit dem Vermögen begabt, uns einen Gott zu erfinden, eine Seele. Unsere Sehnsucht, der Welt Bedeutung einzuhauchen, ihr Sinn zu verleihen - im Wissen um die Unzulänglichkeit dieser Daseinsillusion. Alles in Annek Brassingas Dichtung rührt von hier her: dem Impetus, dem unvergeudeten Reichtum unserer Sehnsüchte Raum zu verleihen. Die überbordende Fülle des Glücks, des Glanzes zu preisen - im Wissen um ihr Nichtvorhandensein. Und das unauflösbare Spannungsfeld zwischen den nackten Tatsachen und der Unendlichkeit im Kopf auszuhebeln, allein durch die lebendige Wirklichkeit und Kraft der Sprache. Dabei gelingt ihr eine Feier der Sprache in irisierender Fülle - vermittels Beschreibungen der Natur, der Liebe, der Erotik, der Musik. Anneke Brassingas Werk ist in Sprache verwandelte Ek-Stase. Und "das klopfende Herz des Textes" sein Tier.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2016
Nico Bleutge entdeckt in den Gedichten der Niederländerin Anneke Brassinga, wie verschieden sich Dinge sprachlich gefasst betrachten lassen. Etwa, wenn die Autorin das Imaginäre der Kindheitswelt mit reflexiver Kraft verbindet. Besonders aufgefallen ist Bleutge beim Lesen der Texte das Gespür der Autorin für die "Klang- und Bedeutungsfächer" der Sprache. Wie Brassinga so Themen wie Schönheit und Tod angeht und ihre Dissonanzen bewahrt, findet der Rezensent beeindruckend. Die dialektitische Energie in den Texten scheint ihm das Wesentliche zu sein.
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