Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still. Die besondere Intensität in Erik Lindners Gedichten, sie verdankt sich der hellwachen Aufmerksamkeit seiner Wahrnehmung und dem Zeitenmaß eines Gehenden. Durchlässig für das Sich-Ereignende, sammelt er Geschehnisse, komponiert sie mit feinstem Gespür für die wechselnde Tonalität von bestimmten und unbestimmten Momenten zu Reigen und verleiht ihnen damit erst Raum und Weile, sehr wohl sich bewusst: "Alles, was ist, kann verschwinden."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2014
"Acedia", so erläutert der kundige Rezensent Andreas Langenbacher, war in der Antike ein glücklich in der Schwebe gehaltenes "Nichtstunwollen" und wurde erst im Christentum zur Todsünde der Trägheit. Erik Lindner nun wiederum versucht, unter diesem moralischen Schutt wieder die glückliche Muße hervorzuziehen, die Voraussetzung jeder Lyrik ist, und das gelingt im laut Lindner in beglückender Weise. Erstaunlich, so der Rezensent, wie der Lyriker es schafft, durch aneinandergereihte Beobachtungen und "reimlose, bildstark disparate Verse" lyrische Dichte zu schaffen. "Sprachweltstoff" reichere Lindner hier an und reflektiere ihn zugleich. Langenbacher fühlt sich von ihm von Acedia nach Arcadia geführt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013
Hymnisch bespricht Rezensent Nico Bleutge den neuen, nun unter dem Titel "Nach Acedia" erschienenen Gedichtband des niederländischen Lyrikers Erik Lindner. Der Kritiker fühlt sich an das Lichtspiel der Gemälde Edward Hoppers erinnert, wenn er liest, wie Lindner seine Worte nach Figuren und Rhythmen choreografiert, Lichtverhältnisse oder Spiegelstrukturen in seinen Kompositionen verwendet und mit wenigen Elementen - Küstenlinie, Bojen, zwei Lampen - ein lichterfunkelndes Bild schafft. Ihm erscheinen die Gedichte wie "Balancekonstruktionen" von außergewöhnlicher Spannung und Schönheit - trotz oder gerade wegen des schlichten und klaren Satzbaus. Lob auch für Rosemarie Stills Übersetzung.
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