Die Umbruchsituation in Deutschland, die Niederlage, die Katastrophe der Vernichtungslager, die verdrängt werden sollte, die Arbeit des Wiederaufbaus: All dies ließ die »Fräuleins« mit ihren GIs als frivoles Element erscheinen. Von den Trümmer- und Liebesfilmen der fünfziger Jahre erinnert man die repressive Form, in der das Geschlechterverhältnis inszeniert wird, aber auch den merkwürdigen Reiz, der insbesondere von den Ruinenlandschaften ausgeht - ein Reiz, den Billy Wilder im prominentesten aller "Fräulein-Filme" - "A Foreign Affair" (1948) - deutlich als erotisches Element ausspielt. Doch welchen Blick auf "das Fräulein" inszenieren zum Teil vergessene Filme wie "Hallo Fräulein!" (Rudolf Jugert, 1949), "Strassenbekanntschaft" (Peter Pewas, 1948) oder "Verboten!" (Samuel Fuller, 1958/59), "Fraulein" (Henry Koster 1958) und "The Big Lift" (George Seaton, 1950)? Welchen Freiraum für Einsichten ermöglichen oder verstellen sie?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2007
Lauter Lob hat Rezensent Christoph Haas für diese ursprünglich als Habilitationsschrift verfasste wohl ausgesprochen zwingende Studie. Denn am Ende reibt er sich erstaunt die Augen und wundert sich, dass das Thema nicht schon früher bearbeitet wurde. Den Informationen des Rezensenten zufolge untersucht die Filmwissenschaftlerin und langjährige Herausgeberin der Zeitschrift "Frauen und Film" Annette Bauerhoch darin die Beziehungen zwischen deutschen Frauen und amerikanischen Soldaten nach 1945 und ihre Darstellung im Film. Die Autorin kann beim Rezensenten mit sehr eigenwilligen Perspektiven und Filmanalysen ebenso punkten wie mit enormem Fleiß und Rechercheakribie. Manchmal provoziert sie ihn zu Einwänden, besonders, wenn sie die "Fräuleins" aus seiner Sicht zu sehr glorifiziert, Schattenseiten dagegen weniger ausleuchtet. Besonders in der ersten Hälfte macht ihm mitunter auch eine gewisse Unübersichtlichkeit zu schaffen. Insgesamt ist er aber mehr als zufrieden.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.11.2006
Begeistert ist Rezensentin Ursula März von Annette Brauerhochs wissenschaftlicher Studie über die literarische und filmische Darstellung von Affären zwischen Soldaten der Alliierten und deutschen 'Fräuleins' in Nachkriegsdeutschland. Sie lobt die beeindruckende Fülle von Dokumenten, die die Autorin ausgewertet hat, um die Geschichte und Filmgeschichte des 'Fräuleins' nachzuzeichnen und hervorzuheben, wie instabil weibliche Rollenkonzepte in diesen Jahren waren und wie sie von Filmproduzenten, Regisseuren und Verlagen willkürlich mitgestaltet wurden. Brauerhochs Studie ist für die Rezensentin ein "Standardwerk" zur Kulturgeschichte des frühen Nachkriegsdeutschland, auch wenn sie den akademischen Jargon der Autorin moniert und sich eine lesefreundlichere Überarbeitung gewünscht hätte.
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