Weimar erscheint wie ein Kondensat deutscher Kultur und Geschichte: Luther wurde von hier aus politisch protegiert, und Johann Sebastian Bach wirkte am Weimarer Hof. Als Wahlheimat von Goethe und Schiller wurde die Stadt zum Zentrum der deutschen Klassik. Franz Liszt fühlte sich von der Aura Weimars magisch angezogen. Der geistig umnachtete Friedrich Nietzsche wurde nach Weimar geholt, damit er sich in die Reihe der Klassiker einfüge. Das Bauhaus entstand in Weimar, und nicht zufällig wurde hier die Weimarer Verfassung aus der Taufe gehoben. Aber auch das Konzentrationslager Buchenwald mit seinem Terror und seiner Untergrund-Kultur gehört zur Geschichte der Stadt. Adolf Hitler, Stalin und die DDR-Oberen machten sich den "Geist von Weimar" zunutze, aber letztlich, so zeigt Annette Seemann in ihrem Buch, hat "Weimar" als Inbegriff von Humanität, Freiheit und Bildung allen Vereinnahmungsversuchen widerstanden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012
Sehr ausgiebig gibt Stephan Speicher kund, wie wenig ihm diese Geschichte der Stadt Weimar zu sagen hatte. So weit die Autorin den Rahmen auch spannt, von der Altsteinzeit über die Reformation und die Klassik bis zur DDR, mit etwas Neuem oder Überraschenden kann sie den Rezensenten dabei nicht beeindrucken. Er sieht hier vor allem schnell angelesenes Wissen verarbeitet und zu einem historischen Billigangebot zusammengeschnürt, dessen Reflexionsniveau ihm Rückenschmerzen bereitet. Dass die Autorin dabei Luther als Medienstar bezeichnet, hätte er vielleicht noch verkraftet, aber dass sie Goethe einen "literarischen Shootingstar" nennt, der obendrein auch noch "Schabernack" betreibe, verzeiht er ihr nicht.
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