Eine Frau engagiert eine Mörderin für den letzten Liebesdienst an ihrem Mann, eine Studentin bemüht sich um die Aufenthaltsgenehmigung in einem liberalen Land, ein Mann wird von seiner Geliebten verlassen und findet eine tote Giraffe im Garten, ein Sohn gesteht den Eltern seine geheime Leidenschaft. Lebensan- und -einsichten junger französischer Autoren in einer Vielzahl von Themen und Tonlagen, die ein Panorama gegenwärtigen Schreibens in Frankreich ergeben: witzig und düster, existentialistisch und surreal, selbstverliebt und formorientiert, zärtlich und abstrakt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2005
Dem Rezensenten Joseph Hanimann fällt es nicht schwer, einen Trend aus den 18 Prosatexten der jungen französischen Autorengeneration zwischen 26 und 38 herauszulesen. Ein ganzes Genre der Ich- Bespiegelungsprosa sei wie ausgestorben und einem "unterkühltem Existentialismus" gewichen. Zwar handelten viele der Geschichten anthropologisch konstant von Liebesdingen und anderen "Befindlichkeitsrückständen", dies aber in einer distanzierten und zumeist "sarkastischen" Schreibweise. Und aus der Schreibweise wiederum sei nicht nur das "Formexperiment verschwunden", stellt der Rezensent ernüchtert fest, auch künstlerische Mittel wie Metapher und Symbol. Auch formal wirke die Prosa der jungen Autoren so unterkühlt wie in den französischen Thrillern der "serie noire". Als Ausnahmen von dieser Tendenz macht Hanimann den im Rapstil geschriebenen Text "Allah Superstar" eines jungen Algeriers aus und die Geschichte eines heimkehrenden Kolonial-Soldaten von Sebastien Lapaque. Die dort mitschwingende gesellschaftliche und politische Dimension gehöre gleichfalls zu den beinahe ausgestorbenen Phänomenen in der jungen französischen Literatur dieser Anthologie. Allenfalls im Nebensatz, so Hanimann, werde solcherlei "beiläufig verstaut".
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