'Figura cryptica', die verborgene Figur in dem berühmten, aber wenig gelesenen Gründungswerk der Ästhetik, der 'Aesthetica' Alexander Gottlieb Baumgartens von 1750, bringt die hintergründige, abgründige Rolle der rhetorischen Figurationen für den Bereich der medialen, Evidenz schaffenden Funktionen auf einen neuen Begriff: den Begriff der Verbergung, aus deren Latenz Offenbares hervortritt und evident wird. Schon die rhetorische Poetik, die den Bereich der 'aistheta' regulierte, operierte auf der Grundlage einer Theorie der Latenz, in der Ästhetik Baumgartens aus der methodischen 'crypsis' der Figuren herausgeführt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2003
Ein wenig "latent", verborgen also, bleibt Rezensent Johan Schloemann Zielrichtung und These von Anselm Haverkamps "Figura cryptica", einem Band, der zwölf Aufsätze des "exponierten poststrukturalistischen Literaturwissenschaftlers" versammelt. Seinem Untertitel, eine "Theorie der literarischen Latenz" zu sein, wird der Band nach Schloemanns Meinung nicht wirklich gerecht. Eher handle es sich um "Splitter", was er allerdings nicht weiter schlimm findet. Auch die bisweilen "reizvolle" Sprunghaftigkeit Haverkamps findet er entschuldbar. Dass der Autor allerdings mehrfach erklärt, hier sei jetzt nicht der Raum, dies oder das auszuführen, hat Schloemann weniger überzeugt. Zu seinem Bedauern leidet die Verständlichkeit der Beiträge zudem an Haverkamps sehr voraussetzungsreichem, assoziativem und zuweilen recht artifiziellen Stil. Haverkamps hält mit seiner Schreibweise Gedanken und Wortspiele kaum auseinander, merkt Schloemann an. Das eröffnet in seinen Augen zwar "oft erhellende Seitenblicke", führt andererseits dazu, dass die Sprache kaum verständlich ist.
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