Christa Lichtenstern

"Ich bin ein Plastiker"

Goethes ungeschriebene Skulpturästhetik
Cover: "Ich bin ein Plastiker"
Deutscher Kunstverlag, München 2022
ISBN 9783422987869
Gebunden, 224 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Johann Wolfgang von Goethe ist ernst zu nehmen, wenn er sich einen "Plastiker" nennt. Den Begriff Plastik versteht er vom griechischen Wortursprung her: plassein = bilden, formen, gestalten. Er modellierte selbst. Als Denkmalsentwerfer, Berater von Johann Gottfried Schadow, Christian Friedrich Tieck und Freund von Christian Daniel Rauch, als Dichter mit eigenen Skulpturimaginationen und als Morphologe mit einem dynamischen Formbegriff sind Selbstbildung und Weltverantwortung seine Themen. Diese Studie behandelt erstmals Goethes Engagement für die Plastik integral und deckt damit auch seine ungeschriebene Skulpturästhetik auf. Was bedeuten ihm "sinnliche Kunstgesetze", was die Einheit von "Sprache und Plastik", Rhythmus, Metamorphose, was Bildungskraft und "organisches Ganzes"? Wie gezeigt wird, haben diese Stichworte auch moderne Bildhauer - unter anderem Andreu Alfaro, Joseph Beuys, Eduardo Chillida, Ewald Mataré oder Henry Moore - interessiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2023

Diese Studie von Christa Lichtenstern muss sich nicht in den "Regalkilometern" an Goethe-Literatur verstecken, versichert Rezensent Stefan Trinks. Denn tatsächlich widmet sich Lichtenstern,  emeritierte Direktorin des Kunstgeschichtlichen Instituts der Uni Saarland, einem bisher wenig beachteten Aspekt der Goethe-Forschung: Dessen Interesse für das Dreidimensionale. Goethe entwarf den "Schlangenstein"-Altar in Weimar, übersetzte die Benvenuto-Cellini-Autobiografie ins Deutsche und half befreundeten Bildhauern wie Johann Gottfried Schadow oder Christian Friedrich Tieck bei der Durchsetzung ihrer Projekte, erfahren wir. Dass Goethe ein "Hyper-Influencer" der Kunstwelt um 1800 war, stellt die Autorin deutlich heraus, meint Trinks. Dass Lichtenstern von einer "ungeschriebenen Skulpturenästhetik" spricht, macht den Rezensenten zwar zunächst skeptisch, aber die Autorin löst das Versprechen ein, versichert er. Er liest hier nicht nur eine Analyse von Goethes bildhaftem Denken, sondern lernt auch  dessen weitgreifenden dynamischen Formbegriff kennen, der "inneres Umformen" ebenso einschließt wie "grundlegendes Umformen des Habitats".
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