Das Geheimnis von Shakespeares Hamlet hat viele Aspekte. Seit der Romantik ist es grundlose Melancholie, die den Helden politisch unfähig macht; die subjektive Seite der Tragödie bringt die politische Konstellation zum Verschwinden. Was beide Seiten verbindet, die subjektive Misere im Vordergrund und die objektive Sphäre im Hintergrund, ist die doppelte Rolle des verlorenen Vaters und ermordeten Königs. Wie, wenn das Geheimnis, dessen Hamlet gewahr würde, darin bestünde, daß der Vater nicht der Vater, sondern der Onkel, der Sohn nicht Sohn des ermordeten Königs, sondern des Mörders und Usurpators wäre? Sein oder Nichtsein wäre die Frage eines, der heimkehrte das Fürchten zu lernen: den am heimischen Herd die Einsicht von Nietzsches Silen erwartete, besser nicht geboren zu sein. Der Rest, über den der überlebende Horatio den Mantel des Schweigens breitete, wäre statt der Rache des Vaters der Vatermord und der Verzicht auf dynastische Sukzession.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2001
Der Autor spare nicht mit hochkomplexen Perspektiv-Verzerrungen, heißt es in der Besprechung von Alexander Menden. Dass dabei die Familienverhältnisse im dänischen Königshaus tüchtig aufgemischt werden (Hamlet erhält hier kurzerhand den Onkel Claudius zum Vater), findet der Rezensent zwar recht spannend, doch haben ihn längst nicht alle Erklärungen in diesem Buch überzeugt - "zuweilen geraten sie Haverkamp zu konstruktivistischen Kapriolen". Dennoch und bei allem Willen zur Stilisierung und zum intellektuellen Name-Dropping zwischen Hegel und Derrida, so Menden, sei der Band ein gewichtiger Beitrag zum Hamlet-Diskurs.
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