Dieses Buch zur Visualität von Krieg und Terror umfasst die Zeitspanne der terroristischen Anschläge in New York 2001,der anschließenden Militärinvasionen in Afghanistan und Irak, der Folterungen in Abu Ghraib 2004 bis zur Tötung Osama Bin Ladens 2011. Dafür verknüpft die Autorin in je einzelnen Kapiteln philosophische Positionen zu Macht, Gewalt und Kritik von Jacques Derrida, Michel Foucault, Judith Butler, Emmanuel Levinas und anderen mit aktuellen Kunst- und Bildtheorien zu Kriegsdarstellungen. In Zeiten, in denen Menschen gefoltert, vergewaltigt, enthauptet, erschossen werden, damit Bilder davon zirkulieren und Karikaturen Leben kosten, steht eine Ethik des Visuellen im Zentrum der Diskussionen um politische Handlungsfähigkeit.In Schauen und Strafen geht es nicht nur um ethische und ästhetische Erniedrigungen in Bildern, sondern vor allem durch Bilder. Die Autorin richtet deshalb die Aufmerksamkeit sowohl auf explizite Darstellungen von Gewalt als auch auf die strukturelle Gewalt des westlichen Repräsentationssystems mit seinen sozialen Zirkulations- und Gebrauchsweisen und vor allem Betrachter_innenpositionen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2020
Rezensent Steffen Siegel liest den ersten Band der Studie der Kunstwissenschaftlerin Linda Hentschel mit einigem Horror. Die Fotos von Folter, Hinrichtung und Verstümmelung im Buch findet er nur schwer erträglich. Und er fragt sich, wieso die Autorin ihr Plädoyer zur Eingrenzung solcher Abbildungen nicht gleich mit einem Verzicht auf ebensolche Bilder unterstreicht. Lesenswert findet er das Buch aber allemal - als Geschichte eines "bildpolitisch bewegten Jahrzehnts" (von 2001-2011), die dazu auffordert, im Sinne einer visuellen Verantwortung das Spiel von Sicht- und Unsichtbarkeit immer wieder neu zu hinterfragen.
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