Herausgegeben von Walter Schübler. "Nur nicht gleich sachlich werden! Es geht ja auch persönlich" - Der Wiener Anton Kuh, dieser Ausnahmefall von renitentem Geist, dokumentierte ganz nach seinem Lebensmotto die laufenden Wiener, Prager und Berliner Ereignisse in seinen Glossen. Als Chronist zeichnete er ein scharfsinniges Porträt der 1910er, 1920er und 1930er Jahre. Der bekennende Bohemien Kuh ließ auch als fulminanter Stegreifredner keine Gelegenheit aus, zu provozieren: Programmatisch taktlos legte er den Finger auf jeden wunden Punkt. Als bekennender "Linksler" riskierte der streitbare Intellektuelle in der publizistischen Auseinandersetzung mit den Nazis Kopf und Kragen. Seine Feuilletons, Theaterkritiken, Buchrezensionen und Glossen zeigen, wie wach sein Verständnis für politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen war. Chronologisch gelesen, nehmen sich seine Texte geradezu wie ein intellektueller Index dieser bewegten Zeit aus: Tagesaktuelle Momentaufnahmen, die kein bisschen an Frische verloren haben - ungemein lebendig, frech und voll polemischer Verve.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2017
Daniela Strigl hat 6,5 Kilo Anton Kuh zu vermelden. So anachronistisch ihr die sieben Bände im Zeitalter von Open Access erscheinen, so rühmlich findet sie diese herausgeberische Wahnsinnstat. Wieso das Label 'Kaffeehausliterat' für Kuh nicht passt, versteht sie nach der Lektüre genau. Kuh erscheint der Rezensentin in den von Walter Schübler detektivisch aufgespürten und kommentierten, chronologisch angeordneten rund 1500 Feuilletons, Kritiken, Parodien, Dramoletten, Anekdoten und Glossen über das Wiener Leben aus Zeitungen und Zeitschriften als brillant witziger wie politisch ernsthafter Kommentator des Zeitgeschehens und als "Freigeist und Libertin, für den Anmut nichts anderes ist als 'Sachlichkeit der Triebe'". Ein umfangreiches Register, ein gehaltvolles Nachwort und vor allem Kuhs geistige Spannweite machen die Texte für Strigl zum Lesegenuss.
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