Andre Heller fährt Taxi, Jörg Haider arbeitet an seiner Aschermittwochrede, Chris Lohner wartet auf die Schnellbahn, Robert Menasse entdeckt sich in News - solcherart sind die Idyllen in Antonio Fians neuer Dramolettesammlung. Und doch steht über dem, was weiter geschah, der Titel "Alarm" - freilich ohne das übliche Rufzeichen -, immerhin befindet sich Präsident Bush auf Europareise, Temelin steht vor der Tür, Hollywood interessiert sich für Afghanistan und die österreichische Außenministerin versetzt als Phantom von Europa die Diplomatie in Angst und Schrecken. Um die jeweiligen Anlässe der 42 Dramolette muss man nicht wissen, die Personen nicht kennen; Fian verwandelt die Wirklichkeit in eine neue Form des Volkstückes (inclusive Lieder und Couplets!), in dem eben diese Wirklichkeit lustvoll malträtiert wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2002
Der G. St. zeichnende Rezensent zeigt sich begeistert von Fians Dramoletten. Er stellt fest, dass die "mediale Inszenierung" heutzutage überall gegenwärtig sei, dass sie in Österreich allerdings häufig besonders groteske Züge annehme. Dieser Tatsache bediene sich Fian und treibe sie höchst gekonnt auf die Spitze. Zu diesem Zweck bediene er sich der zahlreichen passenden Zitate der österreichischen Polit- und Kulturprominenz, setze sie zusammen und verfremde sie. Das Ergebnis, so der Rezensent, ist "erhellend und amüsant zugleich", ein "pointiertes Sittenbild des öffentlichen Lebens der Alpenrepublik".
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