Werke Band 1. Mit einem Nachwort von Ingeborg Orthofer. Joe Mc Vie alias Josef Thierschädl ist in vielerlei Hinsicht ein zentraler Text im Werk Schwabs: nicht nur entsteht in ihm allmählich das so schnell danach berühmt gewordene "Schwabisch", dieses aus Witz, Parodie und vielerlei entfremdeten Jargons bestehende Idiom, der Roman zeigt auch eine der Quellen von Schwabs Kritik: Joe Mc Vie spielt während der Zeit der Kandidatur Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten und dem 50. Jahrestag des "Anschlusses" und spiegelt die politischen und gesellschaftlichen Diskurse dieser Jahre wider. Der Protagonist Joe Mc Vie bewegt sich in einer Welt, deren Realkoordinaten - Österreich, 1988, Allgegenwart des Staatspräsidenten, Landleben mit "Gemeinderat, Wirtshaus, Feuerwehr, Heimkehrer, Kirche" - sich zunehmend in Richtung Comics und Splatterfilme verschieben und dabei das "Ramscharoma" erzeugen, das wir aus späteren Werken bereits kennen. Dass Schwab "zu dem, was man das Körperliche nennt, ein direktes hartes unsentimentales Verhältnis" hat, belegt auch dieser frühe Roman ziemlich drastisch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2007
Als einen der "eigentümlichsten und radikalsten" deutschsprachigen Autoren der vergangenen Jahrzehnte würdigt Rezensent Till Briegleb den 1994 jung verstorbenen Dramatiker Werner Schwab, dessen 1988 geschriebener Roman "Joe Mc Vie alias Josef Thierschädl" nun aus dem Nachlass erschienen ist. Sowohl die Themen seiner in den 1990er Jahren berühmten Dramen wie "Volksvernichtung" oder "Übergewicht, unwichtig: Unform" als auch sein spezielles Idiom, ein Mix aus Dialekt, Fäkalsprache und intellektuellem Jargon findet Briegleb in diesem Roman vor. Das Wirtshaus als Schlachthaus, nackte Gewalt in der kleinbürgerlichen Familie, Tod, Zerfall, Stillstand, Ekel und Hass nennt er als einige Motive, die Schwab in seinem Roman zu einem "Panorama einer monströsen Heimat" (Österreich) verdichtet. Briegleb verortet Schwab in einer Reihe mit österreichischen Künstlern und Schriftstellern, die im Anständigen immer die "lauernde Brutalität" sieht, eine Idiosynkrasie, die ihm von den Wiener Aktionisten bis zu Elfriede Jelinek in Österreich so weit verbreitet scheint, dass er Schwabs Extremprosa eher als eine "Facette" denn als eine "wirkliche Provokation" wertet. Jedenfalls zeigt er sich schon gespannt auf die weiteren Texte Schwabs, die im Rahmen einer Gesamtausgabe erscheinen werden.
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