Aus dem Italienischen von Suse Vetterlein. Nacht für Nacht träumt ein Kind vom Ende der Welt. Das Kind sucht das Feuer, es ist Schlafwandler. 30 Jahre später erlebt der junge Mann, der seine Kindheit mit diesen Albträumen verbrachte, wie eine Stadt in Angst und Schrecken versinkt. Kinder und Eltern beschuldigen Lehrer und Erzieher des sexuellen Missbrauchs in Kindergärten und Schulen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2010
Antonio Scuratis Roman "Das Kind, das vom Ende der Welt träumte", der von den Folgen einer sensationslüsternen Berichterstattung über sexuellen Missbrauch erzählt, hat Annika Müller nicht kalt gelassen. Sie liest das Buch des Medienphilologen und Journalisten als kritische Auseinandersetzung mit der Medienzunft, die aus Quotengier mit reißerischer Berichterstattung über dieses Thema archaische Ängste schürt und eine Atmosphäre gegenseitiger Verdächtigung erzeugt. Bei aller Zustimmung stellt sich ihr die Frage, ob der Autor mit seiner Medienschelte nicht die Aufklärungsarbeit der Getadelten vergisst. Zwar hebt sie hervor, dass man Scurati nicht vorzuwerfen kann, Missbrauch zu banalisieren. Aber nach ihrem Empfinden lässt er die Leser mit "äußerst gemischten Gefühlen" zurück. Dass Scurati sein Plädoyer für mehr Besonnenheit in dieser kontroversen Debatte zum Teil in ein "sinnbetäubendes sprachliches Getöse" packt, findet die Rezensentin "hochgradig verstörend". Andererseits ist es für sie eben dieser Effekt, "der die Qualität seines Buches ausmacht".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010
Franz Haas erinnert sich an die erbitterte Debatte, mit der 2009 in Italien um Antonio Scuratis Roman "Das Kind, das vom Ende der Welt träumte" gestritten wurde. Von vielen Seiten wurde dem Roman die literarische Qualität abgesprochen, von Umberto Eco wurde er aber für seine "Aktualität" gepriesen. In der Geschichte über eine beispiellose Medienjagd auf drei Kindergärtnerinnen, die der Pädophilie verdächtigt werden, sucht man nach sprachlichen Vorzügen tatsächlich umsonst, muss der Rezensent zugeben. Dass er dem Buch trotzdem einiges abgewinnen kann, liegt an seiner - wie Haas findet: bestechenden - Darstellung einer "Massenpsychologie des schleichenden Faschismus", die die italienische Medienlandschaft prägt. Der Autor wisse als Medienexperte genau, "wovon er schreibt", und hat zudem seine Geschichte an einen tatsächlichen Fall von 2007 angelehnt, betont der Rezensent. Die wenig ansprechende Textgestalt, die Haas streckenweise gar an einen medientheoretischen oder soziologischen Text erinnert, wirkt auf den Rezensenten geradezu absichtsvoll, und er überlegt, ob der Autor hier nicht vorzuführen sucht, wie die "schöne Literatur" an der "hässlichen Wirklichkeit" zerschellt.
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