Der sensible Tilman Weber ist 13, als er auf ein Internat an der Ostsee kommt. Erst fühlt Tilman sich sehr allein in der "Freien Schule Schwanhagen". Dann aber verliebt er sich in Ella und findet Aufnahme in ihrer Schülergruppe. Die wird geleitet von dem sehr unkonventionellen Lehrerpaar Wieland. Als er sich schließlich zwischen Ella und der "Familie" entscheiden muss, kommt es zur Katastrophe.
27 Jahre später. Der bekannte Schriftsteller Tilman Weber erhält einen Telefonanruf. Es ist Ella, die ihn zur Beerdigung einer Mitschülerin einlädt. Bei dem Treffen will Ella die sexuelle Gewalt von damals öffentlich machen. Tilman will das auf keinen Fall…
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2019
Rezensent Christian Metz rät dringt zur Lektüre dieses "mutigen" und erschütternden Romans. Wie Anselm Neft von sexuellem Missbrauch an Kindern erzählt, nämlich ohne zu verharmlosen oder vorzuverurteilen, ringt ihm höchste Anerkennung ab. Er folgt hier in drei Episoden dem jungen Tilman Weber, der nach dem Tod der Mutter an eine Odenwald-ähnliche freipädagogische Schule kommt, bald bei dem "charismatischen" Schulleiterpaar Wieland einzieht, von diesen zunächst das Gefühl der Exklusivität und gesellschaftlichen Befreiung erhält, erst im Erwachsenenalter das ganze Ausmaß des sexuellen Missbrauchs erkennt und öffentlich gegen die Täter vorgeht. Wie der Autor die Gefühle von Scham, Hilflosigkeit und Traumatisierung beschreibt und dabei auch die pädophilen Neigungen seiner Hauptfigur differenziert einflicht, findet Metz bemerkenswert.
Rezensentin Nina Apin hat viel gelernt von diesem Buch, das in Romanform den sexuellem Missbrauch an der Odenwaldschule aufgreift. Anselm Neft erzählt von dem 13-jährigen Tilman, der auf die Freie Schule Schwanhagen kommt und dort in den Bannkreis eines Pädagogenpaares gerät, das systematisch Kinder und Jugendliche sexuell ausbeutet. Neft schreibe flüssig und stimmig, versichert Apin, sehr gut eingefangen findet sie auch die zweideutige Atmosphäre aus "Freiheit und Zwang, Fürsorge und Manipulation", der gegenüber bedürftige Jugendliche so machtlos sind. Auch wenn manches etwas bilderbuchhaft ablaufe, empfiehlt die Rezensentin den Roman als aufschluss- und erkenntnisreich.
In seinem Roman "Die bessere Geschichte" beschreibt Anselm Neft, ehemaliger Schüler des Aloisenkollegs in Bad Godesberg, die Geschichte eines Jungen, der sowohl in der Familie als auch später im Internat Opfer von sexuellem Missbrauch wurde, erzählt der Rezensent Maik Brüggemeyer. Vor allem in der Internatszeit wurde das Kind so manipuliert, dass es den Missbrauch zunächst nicht als solchen erkannte, und auch als Erwachsener ist sein Weltbild noch von diesen Manipulationen beeinflusst, so der Rezensent. Dank der komplexen Darstellung eines erwachsen gewordenen Opfers, das zwischenzeitlich auch zum Täter zu werden droht, empfindet der Kritiker das Buch als ein aufrüttelndes Werk, "das uns alle angeht".
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…