Anuschka Roshani

Komplizen

Erinnerungen an meine noch lebenden Eltern
Cover: Komplizen
Kein und Aber Verlag, Zürich 2018
ISBN 9783036957821
Gebunden, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Alt sind immer nur die anderen, denkt man, bis man miterlebt, wie die eigenen Eltern, scheinbar auf ewig jung und schön, gebrechlich werden. Und sich plötzlich die Frage stellt, wie man die wurde, die man ist. Anuschka Roshani geht dafür in die Geschichte ihrer Eltern zurück, - und versucht zu rekonstruieren, was sie weiß: Von ihrem Vater kennt sie ja nicht einmal sein exaktes Geburtsdatum. Er kam 1955 von Teheran nach Freiburg und wurde ein passionierter Chirurg, Frauenheld und Autofahrer. Ihre Mutter, ein Fotomodell, war nicht nur mit Schönheit, sondern auch mit einem großen Herzen gesegnet. Sie sind die schillernden Protagonisten dieser Familiengeschichte, die nicht nur eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit ist, sondern auch die Gegenwart einer Frau mittleren Alters beleuchtet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2018

Anuschka Roshani wollte ihren Eltern noch zu deren Lebzeiten ein ebenso "schillerndes" Denkmal setzen - das ist ihr gelungen, findet Rezensent Rainer Moritz. Humorvoll, lebendig und doch auch sensibel und besonnen erzählt sie aus dem Leben ihres Vaters, der Anfang der Sechziger nach Deutschland kam, eine Ausbildung zum Mediziner absolvierte und es schließlich mit Hilfe seines Intellekts, seines Könnens und seines Charmes zum wohlhabenden, angesehenen Arzt brachte. Ein Lebemann war er - im besten Sinne, weiß Moritz nach der Lektüre und auch die Mutter - erst Model dann Pädagogin und trotz früher Trennung lebenslange "Komplizin" des Vaters - ist eine nicht minder eindrückliche Figur, lesen wir. Bei dieser spannungsvollen, anrührenden, unterhaltsamen und durchaus auch informativen Lektüre kann man der Autorin leicht die kleinen Schwächen ihres Romans verzeihen, so der Rezensent. Diese tauchen immer dann auf, wenn sich Roshani in eigenen Reflexionen ergeht: zu viele Metaphern, zu viel Pathos und nicht genügend Ahnung von Proust, fasst der Rezensent zusammen, der sich dennoch alles in allem zufrieden zeigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2018

Auch wer dem derzeit boomenden Genre des "Memoirs" kritisch gegenübersteht, werde an Anuschka Roshanies Roman "Komplizen. Erinnerungen an meine noch lebenden Eltern" große Freude haben, versichert die begeisterte Rezensentin Annabelle Hirsch. Das liege nicht nur an den schillernden Figuren, der glamourösen Ex-Model-Mutter Valerie und dem charismatischen Ärzte-Vater Biouk, sondern ganz entschieden auch daran, wie gut Roshani von ihnen zu erzählen wisse, freut sich Hirsch. Die Autorin kramt nach ihr in "fast psychoanalytischer Geste" eine prägende Erinnerung nach der anderen hervor und verknüpft die anschaulichen Anekdoten zu einem Netz, das ein Bild von zwei herrlich freien Elternteilen zeichnet. Ganz nebenbei entstehe so ein Sittenbild über das West-Deutschland der sechziger und siebziger Jahre, an dessen Spießigkeit Valerie und Biouk anscheinend überhaupt keinen Anteil hatten  - worin die Rezensentin einen der Hauptgründe zu erkennen glaubt, dass sie bei Roshani als so gute Eltern erscheinen. Das Buch gebe eine schlaue Antwort auf die Frage, wie man mit der unumstößlichen Tatsache umgehen könne, dass die eigenen Eltern alt werden, wie dynamisch sie auch einmal gewesen sein mögen: Man solle sich an ihr Leben erinnern und so das eigene gleich mitreflektieren, lernt die Kritikerin hier.

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