Aus dem Georgischen von Nino Haratischwili und Martin Büttner. Weil ein alter Freund die Wohnung des Erzählers braucht, um sich dort heimlich mit einer Frau zu treffen, wird dieser für einen Tag obdachlos. Er zieht durch die Straßen und Cafés seiner Heimatstadt Tiflis, lässt sich treiben, folgt seiner Eingebung, und dort, in den Parks und am Flussufer, zwischen anonymen Passanten und bei alten Freunden, denen er begegnet, kommen in ihm Erinnerungen hoch an vergangene Zeiten. Er denkt an die Kindheit und das frühe Erwachsenwerden, die Zeit der Sowjetdiktatur und die überschwängliche Anarchie des noch jungen unabhängigen Staates, an den Ossetienkrieg und seine Folgen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 09.10.2018
Beeindruckt liest Rezensentin Doris Akrap diesen Roman des georgischen Autors und Fotografen Archil Kikodze, der - typisch postsowjetisch - persönliche und politische Schuld eng miteinander verwebe. "Der Südelefant" erzählt von einem namenlosen Mann, der von einem alten Kindheitsfreund aus der Behaglichkeit geworfen und mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Auf einem ausgedehnten Spaziergang durch Tiflis stößt der namenlose Protagonist immer wieder auf Orte und Ereignisse des Unrechts. Diesen literarischen Gang durch die Geschichte der Stadt dürfe man sich keineswegs als Flaneursprosa vorstellen, baut Akrap falschen Erwartungen vor, Kikodze grabe sich in seiner dichten Erzählung durch sehr schmerzhafte Erinnerungen.
Archil Kilodzes Roman "Der Südelefant" ist für Tiflis, was für Dublin der "Ulysses" ist, meint Rezensent Richard Kämmerlings. Erzählt wird die Geschichte eines Ex-Filmemachers und heutigen Werbetexters, der einen Tag lang ziellos durch Tiflis streift, alte Bekannte trifft, über künstlerische Jugendträume und deren Scheitern in den neuen kapitalistischen Zeiten sinniert und mit seiner in den USA lebenden Tochter chattet. Das Gefühl zwischen Tifliser Vitalität, jahrtausendealten Traditionen, "Lähmung" durch die sowjetische Vergangenheit und "Melancholie" bringt kaum ein Roman so gut auf den Punkt wie dieses höchst gegenwartsbezogene und präzise beobachtete Buch, schließt der eingenommene Rezensent.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…