Reise nach Laredo
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN
9783446281189
Gebunden, 272 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
"In jedem Menschen steckt ein zurückgetretener König." Karl hat sich in ein abgelegenes Kloster in Spanien zurückgezogen. Er ist krank und wartet auf sein Ende. Doch dann begegnet er dem elfjährigen Geronimo, und gemeinsam beschließen sie, davonzureiten, nachts, auf Pferd und Maulesel. Sie geraten in wilde Abenteuer, finden Weggefährten auf dem Weg nach Laredo. Karl lernt kennen, was er trotz Macht, Ruhm und Reichtum bisher nicht hatte: Freundschaft, Liebe, Unbeschwertheit und die Freiheit, die es bedeutet, nur im Moment zu leben. "Reise nach Laredo" ist ein Roman über das Loslassen, über das, worauf es im Leben ankommt.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 14.12.2024
Nur ein so fantasiebegabter Autor wie Arno Geiger kann eine so wunderbar schrullige Figur wie den Kaiser Karl V. neu schaffen und sie auf eine abenteuerreiche Reise schicken, hält Rezensentin Elke Schlinsog fest. Im Jahr 1558, Karl hat vor zwei Jahren abgedankt, wartet eigentlich alles auf seinen Tod. Doch statt zu sterben, begibt er sich zusammen mit dem elfjährigen Geronimo auf eine Reise ins südspanische Laredo, die so zärtlich wie witzig von Geiger geschildert wird, dass Schlinsog trotz ernster Grundthemen wie Selbstfindung und -reflexion eine Menge Spaß bei der Lektüre hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.08.2024
Arno Geiger ist mit seiner Erzählung vom alternden Habsburger Kaiser Karl V. ein origineller, außergewöhnlicher Historienroman gelungen, findet Rezensent Thore Rausch. Im Jahr 1558 ist Karl, der bereits abgedankt hat, an starkem Fieber erkrankt, der Hof wartet darauf, dass er stirbt. Der Reformationskaiser nimmt dies laut Rausch zum Anlass, auf sein Leben zurückzublicken, Bilanz zu ziehen und zu reflektieren. Als er im Garten auf den 11-jährigen Geronimo trifft, kommt noch etwas Lebenskraft zum Vorschein, und die beiden brennen eines Nachts durch. Obwohl Geigers Kaiser laut dem Rezensenten bisweilen etwas kitschige Beobachtungen von sich gibt, sei gerade diese überraschende Wendung erzählerisch ausgezeichnet gestaltet. Ein geglückter, thematisch beinahe zeitloser Roman über einen "alten Mann, der loslassen will".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 22.08.2024
Arno Geiger hat einen Roman über das Sterben von Karl V. geschrieben, der im 16. Jahrhundert Kaiser war, hält Rezensent Eberhard Rathgeb fest: Karl hat sich ins Kloster Yuste zurückgezogen und wartet auf seinen Tod, eine Zeit, die einzig durch die Anwesenheit seines illegitimen Sohnes Geronimo ein wenig aufgehellt wird. Darauf folgt ein langer Traum, in dem Karl mitsamt seinem Sohn aus dem Kloster flieht, sie kommen ans Meer, wo er dann nach der Frage, wer er ist, stirbt, erfahren wir vom Rezensenten, der sich im wesentlichen auf Nacherzählung beschränkende Rezensent. So viel erfahren wir jedoch noch: Diese Geschichte funktioniert vor allem deshalb so gut für den Kritiker, weil Karl eben Kaiser und kein Karl Mustermann war. So schildert Geiger in "wolkenloser, klarer Prosa" die großen Fragen, Wünsche, Sehnsüchte und Sorgen eines menschlichen Lebens, die gerade in der Distanz zwischen Kaiser und Normalo ihre existenzielle Dimension zeigen, resümiert Rathgeb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2024
Rezensent Tilman Spreckelsen findet Arno Geigers Roman über Karl V. meisterlich in der Verschränkung zweier Erzählebenen, ähnlich wie in Arno Schmidts "Gadir". Der Kaiser stirbt und bricht zugleich zu einer mehrtägigen Reise auf. Geiger beherrscht nicht nur das literarische Verfahren, lobt Spreckelsen, er legt das reiche Innenleben des sterbenden Kaisers auch auf staunenswerte Weise dar. Anschlussfähig für den Leser wird der Roman laut Rezensent durch Karls Drang, sich über sich selbst Rechenschaft abzulegen. Keine unbeschwerte Lektüre, aber eine vielfach lohnende, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.08.2024
Rezensentin Judith von Sternburg überlegt, ob der alte Kaiser Karl in diesem Roman nicht doch der alternde Schriftsteller Arno Geiger ist. Wie auch immer, der Text hat ihr gefallen, zeigt er den Kaiser doch mal ohne Kleider, nackt, als Mensch. Dafür interessiert sich der Autor, für Menschen, ihre Einsamkeit und auch ihre Freundlichkeit. Sei es der uneheliche Sohn Geronimo, seien es Gehilfen, die den Kaiser auf seiner letzten Reise begleiten. Dass der Kaiser stirbt, macht ihn menschlich, denkt Sternburg. Diese "Road Novel" zwischen Western und Aventiure, findet sie, ist eigenwillig, gewalttätig, ein bisschen pathetisch, aber doch lesenswert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2024
Der neue Roman des Österreichers Arno Geiger vermag den Rezensenten Paul Jandl leider nicht zu überzeugen: Dafür ist die Geschichte, die er um Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert spannt, einfach etwas zu unglaubwürdig. Der Roman startet im Kloster in Yuste, wo Karl eigentlich auf seinen Tod wartet, dann aber - hier beginnt Geiger, sich vom historisch Verbürgten zu entfernen - gemeinsam mit einem Elfjährigen die Flucht ergreift und nach Stationen bei Wunderheilern schließlich in einem Wirtshaus landet, schildert Jandl. Für ihn wird Karl V. als Mensch bei Geiger schnell kitschig, dazu tragen kalenderspruchartige Weisheiten und ein allzu heroischer Tod im Atlantik bei, wie er schließt.