Der Chor
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518431603
Gebunden, 283 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Endlich wieder offline! Schon vor den Lockdowns war die Probe ihres Frauenchors für Alice, Marie und ihre ältere Freundin Lena der Höhepunkt der Woche. Nachdem sie viel zu lange nur hinter Masken oder gar nicht zusammen singen konnten, erkennen sie deutlich, was sie entbehrt haben. Ihre Freundschaften haben die Pandemie überlebt, allerdings auch ihre Probleme miteinander. Alice, der beruflich fast alles gelingt, leidet darunter, dass Marie nicht mehr mit ihr spricht. Während Lena, eine pensionierte Lektorin, sich über das Altern keine Illusionen macht. Ein offenes Geheimnis ist die Abneigung der meisten Sängerinnen gegen Cora, die in prekären Verhältnissen lebt und den Chor zur Jobsuche nutzt. Als Sophie, eine vereinsamte Studentin, bei den Proben auftaucht, beginnt ein emotionaler Aufruhr. Besonders für Alice: Plötzlich entdeckt sie Gefühle, die sie selbst überraschen.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2024
Eine "Stichprobe hinein ins bürgerliche Leben" nimmt Rezensentin Judith von Sternburg mit Anna Katharina Hahns Roman "Der Chor". In ihren letzten Romanen erwies sich die Schriftstellerin stets als Vorausdeuterin gesellschaftlicher Phänomene, die sie in ihren Romanen prophezeit, bevor sie im allgemeinen Bewusstsein angekommen sind. Ob das hier auch der Fall sein wird, wird sich noch zeigen - sicher ist, dass Hahn in ihrer "dunkel grundierten" Geschichte über einen Stuttgarter Frauenchor erneut eine hellsichtige Gesellschaftsanalyse vorgelegt hat, lobt die Kritikerin. "Hyperrealistisch" und mit überraschenden Wendungen werden die Dynamiken zwischen den Sängerinnen geschildert: Erzählt wird aus der Perspektive von Alice, erklärt Sternburg, einer "Aufsteigerin alter Schule", die Personalchefin in einem Kaufhaus geworden ist. Eine Art Gegenpart bildet Cora, die am unteren Rand der Gesellschaft steht, und sich im Laufe der Handlung deshalb vieles von den anderen gefallen lassen muss. Zusammen bilden die Sängerinnen einen "Querschnitt" der Gesellschaft, so Sternburg, die auch von den zusätzlichen Kapiteln, in denen die Schicksale der einzelnen Frauen noch einmal näher geschildert werden, begeistert ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2024
Rezensent Patrick Bahners nimmt sich viel Zeit und Raum für die Besprechung von Anna Katharina Hahns fünftem Roman. In Stuttgart spielt er, die Protagonistin Alice ist wirtschaftlich erfolgreich und fährt ausgerechnet in Stuttgart einen Audi, in dem sie sich geborgen fühlt. Ihr Leben ist präzise geregelt, Kinder hat sie nicht, lebt mit einem Ehemann, lässt sich ihre Nahrung von Lieferdiensten bringen. An einer Stelle des Roman aber sagt der Navi des Audi: "Wenn möglich, bitte wenden." Natürlich wendet sie nicht, und so erzählt der Roman Alice' vertrackte Beziehung zu Sophie, einer Mitsängerin im Titel gebenden Chor. Bahners erzählt das alles ausführlich nach, merklich beschwingt und begeistert. Man hat Lust, den Roman zu lesen, auch wenn nicht ganz klar wird, worauf er mit seinem Fotorealismus eigentlich hinaus will.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.09.2024
Alice, die Protagonistin aus Anna Katharina Hahns neuem Roman, ist eigentlich eine organisierte, kontrollierte Businessfrau, weiß Rezensent Richard Kämmerlings. Zumindest, bis die Studentin Sophie in ihr Leben tritt: Sie lernt sie bei einer Probe des titelgebenden Chors kennen und irgendwas zwischen mütterlicher Fürsorgeinstinkte und zarter Verliebtheit wird bei ihr geweckt, erfahren wir. Die Zerrissenheit nicht nur der Protagonistin, sondern auch unter den Stuttgarter Frauen, wo Hahn ihre Geschichte wie üblich ansiedelt, wird dem Kritiker von der Autorin in einer komplexen Erzählung voller märchenhafter Motive wie dem Doppelgänger eindrucksvoll geschildert. Zwischen Sehnsüchten, psychischen Erkrankungen und ehebrechenden Männern ist einiges los in diesem empfehlenswerten Roman, schließt Kämmerlings.