Brennende Felder
Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN
9783103975703
Gebunden, 368 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Sobald sie volljährig ist, verlässt Luisa Fischer ihr Elternhaus und ihre Familie in der österreichischen Provinz, zieht von europäischer Großstadt zu Großstadt, ohne jedoch Wurzeln zu schlagen. Erwachsen geworden, kehrt sie zurück in die landwirtschaftlich geprägte Region ihrer Kindheit. Ihr Leben aber findet keine ruhige Bahn: Es brodelt unter der Oberfläche, alte Kränkungen und familiäre Bande wirken bis in die Gegenwart und lassen Luisa keine Freiräume. Also verschafft sie sich diese selbst und setzt sich über Moralvorstellungen und Konventionen hinweg - für ihre Unabhängigkeit und ihre Ziele ist sie bereit, alles zu tun.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 20.08.2024
Das ist Reinhard Kaiser-Mühlecker bislang radikalster und intensivster Roman, befindet Kritiker Christoph Schröder in seiner umfangreichen Besprechung. Das Personal ist ihm schon aus vorangegangenen Büchern bekannt, hier ist nun Luisa die Protagonistin, sie ist seit langem in ihren Stiefvater verliebt und geht mit ihm eine Beziehung ein - eine Aufstellung, die das, was in den Vorgängerromanen thematisiert wurde, zum Teil konterkariert, betont er. Robert, der Stiefvater, begeht am laufenden Band Einbrüche und wird schließlich auf frischer Tat ertappt und erschossen, später kommt Luisa mit seinem Mörder zusammen, erfahren wir noch. Für Schröder ein Roman, der nicht nur das persönliche Beziehungsgeflecht auf kluge und aufregende Weise beschreibt, sondern auch die umgebenden strukturellen Probleme von Ländlichkeit und Landwirtschaft in den Blick nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.08.2024
Wahnsinn, was Reinhard Kaiser-Mühlecker mit seinem neuen Roman wieder aus dem Hut gezaubert habt, ruft Rezensentin Judith von Sternburg, die bereits 2007 von seinem in jungen Jahren verfassten Debütroman schwer beeindruckt war. Für schwache Nerven und Moralaposteln ist auch dieser dritte Teil einer Trilogie nichts, warnt sie: Es geht um Luisa, eine unsichere, vielleicht verrückte, aber auch widerständige Figur, die Schriftstellerin sein möchte, eine Beziehung mit ihrem Stiefvater eingeht, dann mit dessen vermeintlichem Mörder, zu ihren Kindern kaum eine Bindung hat. Wie Kaiser-Mühlecker diese fahrige Figur durch einen äußerst ruhigen Erzählfluss vermittelt, scheint die Kritikerin spannender als alle erzählerischen Volten zu finden, mit denen der Autor zusätzlich aufwarte. Nebenbei geht es um den Klimawandel, der sich in der landwirtschaftlichen Umgebung deutlich zeigt - brennende Felder und Traktoren -, den Luisa aber nur am Rande wahrnimmt. Ein grandios geschriebener, abgründiger, am Ende zynischer Roman, ein Drahtseilakt zwischen "Kolportage" und "archaischer Tragödie", schwärmt die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.08.2024
Reinhard Kaiser-Mühlecker kennt Rezensent Hubert Winkels als "großen Erklärer des Bauernstandes", das gilt auch für seinen neuen Roman, in dem mit Luisa eine Figur auftritt, die schon aus vorherigen Romanen vertraut ist. Luisa hat sich mit allen Familienmitgliedern inklusive ihren Ex-Männern und ihren Kindern überworfen, davon erzählt das Buch in "indirekten Erzählstimme" Luisas, die vieles im Unklaren lässt, wenn sie nicht direkt lügt, wie Winkels einräumt. Schließlich geht Luisa mit ihrem Vater, der dann kurzerhand zum Stiefvater erklärt wird, eine inzestuöse Beziehung ein, später wird er auf einer Art Raubzug ermordet, rekapituliert der Kritiker die Handlung, die er insgesamt reichlich überfrachtet findet. Sonst gefällt ihm die Unschärfe, die der Autor Schritt für Schritt mittels seinen "langen, sich langsam anreichernden Sätze" herstellt. Aber schlussendlich ermüdet ihn dieser "Horror-Thriller" von einem Roman.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 17.08.2024
Für den Rezensenten Fokke Joel ist Reinhard Kaiser-Mühlecker ein herausragender Autor, das hat sich auch mit seinem neuesten Roman wieder bestätigt: Hier steht mit Luisa wieder ein anderes Mitglied der Familie im Vordergrund, die den Leserinnen und Lesern schon aus den Vorgängerromanen bekannt ist. Luisa, so berichtet Joel, hat schon einiges an Schieflagen in ihrem Leben hinter sich, von den Vätern ihrer Kinder ist sie getrennt, ihre Kinder sieht sie selten, auch ihre Brüder haben kein gesteigertes Interesse an ihr. Dafür beginnt sie ein inzestuöses Verhältnis mit dem Mann, von dem sie erst mit 15 erfahren hat, dass er nicht ihr leiblicher Vater ist, und zieht mit ihm zurück in das Kuhdorf, aus dem sie stammt, rekapituliert der Kritiker die Handlung. Ihm gefällt, wie der Autor langsam und vorsichtig dazu überleitet, dass irgendwas fundamental nicht stimmt und dabei diese abgeschottete, dörfliche Welt und ihre Probleme auch denen verständlich macht, die nicht dort leben - ein großer Schriftsteller, schließt er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2024
Stark ist das Personal von Reinhard Kaiser-Mühleckers Romanen miteinander verwoben, stellt Rezensent Jan Wiele fest, das ist in diesem Roman nicht anders, denn er bildet den dritten Teil einer Trilogie über Robert, der Landwirt in der österreichischen Provinz ist. Er hat eine Adoptivtochter, Luisa, die eine Liebesbeziehung mit ihm eingehen will, Robert stirbt, Luisa hat weiterhin Schwierigkeiten in ihrem Beziehungsleben, erfahren wir. Aber auch die umgebende Gesellschaft als solche scheint in diesem Roman dem Untergang geweiht zu sein, sodass Wiele das Buch mit der Überzeugung zuklappt, "dass nichts im Leben von Dauer sei." Gern scheint er den Roman, der einmal mehr Kaiser-Mühleckers Vorliebe für den Noir offenbart und der auch ohne Kenntnis der Vorgänger funktioniert, in jedem Fall gelesen zu haben, ahnen wir.