Gabriel Riesser (1806-1863) galt im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Judentums. Heute scheint der promovierte Rechtswissenschaftler nahezu vergessen. Dennoch sind seine historischen Verdienste unbestritten. Dank seiner Schriften, Reden und politischen Tätigkeit wurde der sich dahinschleppende Emanzipationsprozess der Juden in Deutschland zu einem erfolgreichen Abschluss geführt. Am Ende seines Lebens hatten sich die deutschen Juden ins deutsche Bürgertum integriert. Als Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche 1848 kann er als einer der Gründungsväter unseres modernen demokratischen Staatswesens gelten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2008
Lesen wir Ludger Heids Besprechung von Arno Herzigs "handlicher, hoch informativer" Biografie über den Vorkämpfer für jüdische Gleichberechtigung, Gabriel Riesser, leuchtet es ein, dass der Autor dem Parlamentarier alle Sympathie entgegenbringt. Dass Heid bei der Lektüre dennoch auch kritische Töne heraushört, macht das Buch für ihn um so lesenswerter. Wenn der Autor Riessers Blindheit gegenüber der sozialen Frage thematisiert und damit am Denkmal Riesser kratzt, eröffnet das dem Rezensenten zugleich den Blick auf die Zeitumstände.
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