Hörcollage von Walter Gödden. Eine Produktion der Nyland-Stiftung im Rahmen der "Hörbibliothek Nyland". Sprecher: Carsten Bender und Thomas Thieme. Musik: Matthias Hirzel. Laufzeit: 60 min. Zwei Geistesgrößen im Gespräch: Hier Arno Schmidt, der mit vielen Preisen ausgezeichnete Sprach-Experimentator und Schöpfer des epochalen Werks "Zettels Traum". Dort Hans Wollschläger, bekannt durch seine Karl-May-Forschungen und seine kongeniale Übersetzung von James Joyces "Ulysses", auch er ein begnadeter Stilist und Essayist. In der vorliegenden Hör-Collage kommen beide im Rahmen eines Zwiegesprächs zu Wort, das zwei interessierte Leser - ganz im Stile der Schmidt'schen Radioessays - über die Protagonisten führen. Es fußt auf dem mehrere hundert Seiten umfassenden, bislang - bis auf wenige Zeugnisse - unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Schmidt und Wollschläger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2017
Peter Lückemeier horcht gespannt auf die tönende Worte Arno Schmidts im gelesenen Briefwechsel mit Hans Wollschläger. Wie sich die beiden "Literasten" über eigene Größe, Frauen, Fotokopieren und natürlich über die Schmach des Materiellen austauschen, scheint ihm stark. Die tiefe Beziehung der beiden, die aus dem von Walter Gödden zusammengestellten Hörbuch spricht, findet Lückemeier bemerkenswert, selbst, wenn die von Gödden zusätzlich erdachten Dialoge auf ihn gezwungen wirken. Das Original der Korrespondenz, meint er, entschädigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2017
Rezensent Jens Bisky freut sich über diese nach dem Vorbild von Arno Schmidts Radioessays gestaltete Hörcollage. Gebannt lauscht der Kritiker den Stimmen von Thomas Thieme und Carsten Bender, die die Korrespondenz zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger in den Rollen von Mentor und Schüler vertonen. Bisky hört hier, wie sich zwischen dem Schriftsteller und dem damals 22jährigen Redakteur, der im Jahre 1947 mit einem Brief auf einen Karl-May-Verriss von Arno Schmidt reagierte, ein persönliches Verhältnis entwickelte, in dem sich beide nicht nur über Karl May, sondern insgesamt über ihre "Obsession" für Literatur austauschten. Gelegentlich erscheint dem Kritiker die Korrespondenz gar wie ein sehr gelungener Kurzgeschichtenband.
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