Klappentext

Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. In diesem symphonisch komponierten Roman über Gefangenschaft und den Verlust aller Sicherheiten nimmt Asli Erdogan die eigene Gefängniserfahrung vorweg. "Was hatte ich hier zu suchen? Was war übrig von einem Ich?", fragt einer der Protagonisten. Ein anderer wird freigelassen, doch was in der Haft geschehen ist, bleibt unsagbar, und er verfällt allmählich dem Wahnsinn. Aslı Erdoğan folgt mit ihrer poetischen dunklen Sprache den tiefen Narben, die eine Begegnung mit dem "Haus aus Stein" hinterlässt. Ihren in der Türkei bereits 2009 erschienenen Roman ergänzt sie durch einen eigens für diese Ausgabe verfassten Essay über die Monate, die sie 2016 nach dem gescheiterten Militärputsch willkürlich im Frauengefängnis Bakırköy-Istanbul inhaftiert war.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.05.2019

Rezensent Wolfgang Schneider liest Asli Erdogans Roman über Gefängnishaft und Foltererfahrung als langes "Prosa-Gedicht" - was für den Kritiker allerdings nichts Gutes bedeutet: Denn Erdogans Anspruch, nicht den realen Haftalltag, sondern dessen seelische Folgen zu beschreiben, endet laut Schneider leider im pathetischen Martyrium, reich an Sätzen und Bildern die abgenutzt oder kitschig wirken, wie der Rezensent moniert. Zwar entdeckt er mitunter durchaus die "Musikalität" eines Paul Celan, auch das Gefühl der Beklemmung kann ihm Erdogan natürlich vermitteln. Wenn die Autorin ihren Text dann aber noch um eine "metaphysische Dimension" anreichert, steigt Schneider aus. Das kann Erdogan entschieden besser, meint er.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2019

Das im türkischen Original bereits 2009 erschienene Buch, das Asli Erdogans Erfahrungen mit behördlichem Terror wiedergibt und von Liebe und Verrat erzählt, überzeugt Schader mit seiner dichten, expressionistisch-lyrischen Struktur und seiner aufgebrochenen Komposition, die die Grenzen zwischen Erzähler und Erzähltem, Verräter und Verratenem verwischt, wie die Rezensentin erklärt. Eine anspruchsvolle Lektüre, meint Schader, schon, da sich die erzählenden Stimmen nicht eindeutig identifizieren lassen. Ein Text wie schwarze Lava, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.03.2019

Für Carsten Hueck ist Asli Erdogans Text der Beweis für die Kraft der Literatur, ihre Fähigkeit, das Unsagbare sagbar zu machen. Das 2009 im türkischen Original erschienene, jetzt um einen Essay der Autorin ergänzte und übersetzte Buch berichtet aus der Perspektive eines gebrochenen Menschen von den Qualen der Haft im Folterzentrum Sansaryan Han in Istanbul. Was innere, was äußere Wirklichkeit ist, lässt sich dabei laut Hueck nicht trennen. Die Klage überzeugt Hueck nicht nur durch die Erbarmungslosigkeit der Beschreibung, sondern auch durch ihre bildreiche, poetische Sprache. Für ihn eine berührende, wenn auch kaum zu ertragende Leseerfahrung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2019

In Istanbul steht das "Sansaryan Han", ein einst von einem reichen Armenier gebautes Haus, das als Schule dienen sollte und nach dem Genozid an den Armeniern von der Polizei requiriert und zu einem Folterzentrum umfunktioniert wurde, erzählt Rezensentin Karen Krüger, die Türkei-Korrespondentin der FAZ in ihrer Rezension. Dies Haus ist das Vorbild für Alsi Erdogans "Haus aus Stein", in dem es um die Geschichte der hier Gefolterten geht. Ein Roman, der nicht nur kurz ist, sondern kein bisschen länger sein dürfte, meint Krüger, so verdichtet, poetisch und schmerzhaft stimme Erdogan das Klagelied für die hier Gefolterten an. Das Haus selbst wird zum Sinnbild für die Traumata, die die Opfer wie ein Haus aus Stein umschließen, so Krüger. Erdogan lasse ihre eigenen Gefängniserfahrungen einfließen, ihre Prosa und die der Erzählerin seien so kaum mehr zu unterscheiden. Für Karen Krüger ist das "Haus aus Stein" das bisher wichtigste Werk der Autorin und ein Meisterwerk.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2019

Asli Erdogan, informiert die Rezensentin Juliane Liebert zu Beginn ihrer Kritik, hat einige Zeit im Gefängnis zugebracht - heute lebt sie im Frankfurter Exil. Ihr Text "Das Haus aus Stein" von Asli Erdogan versucht, die grausame Erfahrung der Gefangenen und Gefolterten wiederzugeben und ist zugleich eine Reflexion darüber, wie eine solche Erfahrung überhaupt zur Sprache gebracht werden kann, führt die Rezensentin aus. Darum präsentiere sich der Text über weite Strecken auch eher wie ein Prosagedicht und nicht so sehr wie ein Roman. An einigen Passagen zeigt Liebert, wie Sprache bei Erdogan aus einem fast konventionellen Erzählduktus in einen "Sturm der Metaphern" umbricht. Dass Erdogan durchaus auch das Risiko eines sprachlichen Scheiterns vor dieser Erfahrung eingeht, findet die ausdrückliche Zustimmung der Rezensentin.