Während in den letzten Jahren zahlreiche soziologische Untersuchungen über "Singles" erschienen sind, wissen wir fast nichts über unverheiratete Frauen und Männer des 19. Jahrhunderts. Das Buch von Bärbel Kuhn setzt hier an. Ausgehend von Briefen und autobiographischen Schriften werden erstmals die Lebensläufe eheloser Menschen aus dem Bürgertum zwischen 1850 und 1914 untersucht: Welche Gründe gab es, ledig zu bleiben? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen zog die Ehelosigkeit nach sich? Wurde diese bei Frauen und Männern unterschiedlich bewertet? Welche Bedeutung hatten soziale Netze, Freundschaften und verwandtschaftliche Beziehungen für Ledige? Die Autorin beschreibt plastisch den Alltag, die Mentalitäten und die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Lebenssituationen lediger Frauen und Männer. Unter den berücksichtigten Biographien finden sich auch diejenigen prominenter Lediger wie Jacob Burckhardt, Adelheid Mommsen, Gottfried Keller, Alice Salomon und Wilhelm Busch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2002
Heute nennt man sie Singles, vor hundert Jahren hießen sie "alte Jungfern" und "Hagestolze". Leicht hatten sie es nicht, im Gegenteil. Mit dem oft schwierigen Los von ehelosen Frauen und Männern im 19. Jahrhundert beschäftigt sich Bärbel Kuhn in ihrer "gut lesbaren" Studie "Familienstand ledig", berichtet Rezensent Urs Hafner. Entstanden ist nach Hafners Einschätzung "eine aufschlussreiche, teilweise etwas eng geführte und schematische Innenansicht jener ledigen Bürger und Bürgerinnen". Die von Kuhn untersuchten autobiografischen Schriften und Briefe der Alleinstehenden, in denen sie ihre Reflexionen, Ängste und Hoffnungen artikulieren, sind für Hafner insbesondere hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Identitätskonstruktion symptomatisch für die ganze bürgerliche Gesellschaft und enthüllen zugleich deren hierarchische Ordnung. Schließlich war das Alleinleben für eine Frau weitaus problematischer als für einen Mann. Alles in allem zeigt sich Haffner mit dieser Habilitationsschrift recht zufrieden, hätte bisweilen allerdings gern ein wenig mehr über Kuhns Fälle und ihre Deutungsmuster erfahren.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…