Über 80 Millionen Amerikaner leben nach den Prinzipien des christlichen Fundamentalismus. Im Gespräch mit hunderten von amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern deckt Barbara Victor deren Weltbild auf. Sie hat einflussreiche religiöse und politische Drahtzieher interviewt, die seit über 20 Jahren ihren Einfluss systematisch ausgebaut und den Wahlsieg von George W. Bush organisiert haben. Victors Fazit ist schockierend: Die Gewaltenteilung wird zunehmend untergraben und der Toleranzgedanke ausgehöhlt - der christliche Fundamentalismus hat Amerika "seiner Seele beraubt". Auch die Auswirkungen auf die US-Außenpolitik und damit auf die gesamte Welt sind enorm: Victor beleuchtet die Einflussnahme im Nahen Osten, aber auch den Feldzug der USA gegen den islamischen Terrorismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2006
Erschreckend sind für Johano Strasser die Einsichten über die Verstrickung der amerikanischen Politik mit den Evangelikalen, die Barbara Victor in ihrem Buch zusammengetragen und mit einer "erdrückenden" Fülle von Details belegt. "Ausführlich" und mit vielen Zitaten kann die Autorin nachweisen, wie stark der Einfluss der bibeltreuen Christen, denen auch George W. Bush angehört, auf die Innen- und Außenpolitik der USA ist, stellt der Rezensent beeindruckt, gleichwohl beunruhigt fest. Victor könne mit ihren Interviews und ihren "akribischen" Untersuchungen zeigen, wie Vorstellungen von der Apokalypse beispielsweise die amerikanische Haltung im Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern bestimme, so Strasser eingenommen, der angesichts dieses erschreckenden Szenarios hofft, dass die USA irgendwann einmal wieder zu ihren Grundsätzen der Trennung von Staat und Religion zurückkehren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2005
Sehr instruktiv findet Rezensent Thomas Leuchtenmüller dieses Buch über den christlichen Fundamentalismus in den USA, das die amerikanische Journalistin Barbara Victor vorgelegt hat. Im Vordergrund sieht er bei Victor eine Darstellung der Entstehung des christlichen Fundamentalismus und seiner Folgen. Zu recht verweise die Autorin auf die lange Tradition der USA, christliches Bekenntnis als "Werkzeug für weltliche Politik" zu gebrauchen. Victors Darstellung der Folgen dieser Entwicklung - die Schwächung der Gewaltenteilung, eine Aushöhlung der Toleranz oder eine "glaubensgestützte Ethik" am Arbeitsplatz etwa - findet Leuchtenmüller plausibel begründet. Insgesamt lobt er die Studie als "gut lesbar", moniert allerdings zahlreiche Wiederholungen und eine gewisse "Stutenbissigkeit" der Autorin.
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