Ben Shattuck

Eine Geschichte der Sehnsucht

Cover: Eine Geschichte der Sehnsucht
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446286504
Gebunden, 80 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Nantucket im Jahre 1796. Die verwitwete Laurel bekommt überraschend Besuch von ihrer Jugendliebe Will in Begleitung seiner jungen Braut. Sie sind auf dem Weg nach Barbados und bleiben über Nacht. Während alle schlafen, durchsucht Laurels Sohn Wills Sachen und findet alte Liebesbriefe. Am Morgen darauf ist Will ohne Vorwarnung verschwunden, er hat nur ein Bild hinterlassen, das ein Rotkehlchen zeigt, an dessen Bein ein himmelblaues Band gebunden ist. Zweihundert Jahre später taucht das rätselhafte Bild wieder auf. Ein Maler versucht seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2026

Wie genau, fragt sich Rezensent Simon Strauss, bewirkt Ben Shattuk es, dass man sich seinen Erzählungen so vorbehaltlos, so vertrauensvoll hingeben will wie sonst nur selten? Ist es die Sehnsucht nach jener Ruhe, mit der Shattuk schreibt, der wie seine Erzählungen auf und von der Insel Nantucket lebt? Ist es die Demut, mit der er sich den Dingen widmet, die "Geständnis ablegen", davon erzählen wollen, was sie waren und sind, wo sie herkommen und warum sie dort landeten, wo man sie nun findet? Es ereignet sich eigentlich wenig in Shattuks Erzählungen: eine verwitwete Frau und ihr Sohn werden von einem alten Geliebten besucht; ein junger Maler forscht in einem Heimatmuseum und wird fast von der älteren Kuratorin verführt. Trotz dieser Ereignislosigkeit spürt Strauss diesen Drang, dem Erzählfluss "unaufhaltsam zu folgen", denn zwischen den Zeilen drückt sich das Wesentliche aus: Reue, Schmerz, Krieg und Zuneigung. Ob die Erzählungen nun 1796 oder 2008 spielen, man nimmt daran teil mit demselben Verständnis, derselben Dringlichkeit, denn die Stimmungen der Menschen bleiben über die Zeit doch die selben, schreibt Strauss. Und dieser Autor, dem im deutschsprachigen Raum noch nicht der gebührende Ruhm zuteil wurde, weiß, wie man sie vermittelt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.01.2026

Zwei miteinander verknüpfte Geschichten erzählt der große Autor Ben Shattuck in diesem Band laut Rezensentin Manuela Reichart. In der ersten bekommt eine verheiratete und nicht allzu glückliche Frau Besuch von einem Mann, einem Maler, den sie einst geliebt hat. Er geht wieder, lässt aber ein Bild zurück, das in der zweiten Geschichte eine Rolle spielt. Die dreht sich um einen jungen Mann und die Kuratorin eines Museums. Reicharts Kritik besteht zu weiten Teilen aus einer Inhaltsangabe, sie hebt jedoch einige schön lakonische Sätze Shattucks hervor und freut sich darüber, wie die Geschichten ihr Einblick geben in das Innere der handelnden Figuren. Ein tolles Buch über Trauer und ein starkes Stück Literatur, so das Fazit.

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