Bernard Maris

Michel Houellebecq, Ökonom

Eine Poetik am Ende des Kapitalismus
Cover: Michel Houellebecq, Ökonom
DuMont Verlag, Köln 2015
ISBN 9783832198046
Gebunden, 142 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Wilczek. Das houellebecqsche Universum ist eines, in dem sich Individuen in stetiger Konkurrenz miteinander befinden. Allein das (schwindende) Ideal der Liebe könnte aus diesem auf Dauer für alle unbefriedigenden Kreislauf befreien. Bernard Maris' Buch bietet nicht nur eine fundierte Gesellschaftskritik, sondern auch einen Schlüssel zum Verständnis des Werks eines der wichtigsten Autoren der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2015

Andreas Zielcke findet es reichlich ironisch, dass ausgerechnet ein renommierter Ökonom wie Bernard Maris den Unterschied zwischen Kulturpessimismus und kenntnisreicher Kritik des gegenwärtigen Wirtschaftssystems nicht sehen kann. Michel Houellebecq mag in seinen Romanen viele Beispiele für "Erfahrungen mit der Unkultur einer durchökonomisierten Welt" geben, der Wirtschaftsexperte, als den Maris ihn in seinem Buch "Michel Houellebecq, Ökonom" darstellt, ist er deshalb noch lange nicht, so der Rezensent. Selbst wenn Houellebecq als böse-zynischer Beobachter glänzt, den modernen Kapitalismus sollte man sich lieber von anderen erklären lassen, rät Zielcke.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.08.2015

Unter weniger traurigen Umständen hätte dieses Buch wohl kaum Aufmerksamkeit auf sich gezogen, behauptet Rezensentin Doris Akrap. Doch der Autor Bernard Maris, Ökonom und guter Freund von Michel Houellebecq, zählt zu den Toten des Attentats auf Charlie Hebdo, das vorliegende Buch wurde im Original kurz vor dem terroristischen Anschlag veröffentlicht. Davon abgesehen ist das Buch durchaus interessant, so die Rezensentin: Der Kapitalismuskritiker und zeitweise Attac-Aktivist Maris vertritt darin die These, dass Michel Houellebecq der erste Schriftsteller sei, dem es gelinge, "das ökonomische Unbehagen, das unser Zeitalter vergiftet, exakt zu erfassen", wie Akrap den Autor selbst zitiert. Besonders hebe Maris hervor, dass Houellebecq, anders als Wirtschaftswissenschaftler im akademischen Elfenbeinturm, eben nicht mit abstrakten Zahlen jongliere, sondern die zersetzenden Auswirkungen im Alltag seiner Figuren gnadenlos artikuliere. Am Ende ist es jedoch eher ein Pamphlet als eine echte Auseinandersetzung mit der Verführungskraft des Kapitalismus, meint die leicht enttäuschte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 29.08.2015

Ob dieses Buch wohl auch auf Deutsch erschienen wäre, wenn sein Autor nicht zu den Opfern des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo gehört hätte, fragt sich Konstantin Richter in seiner Besprechung. Er will diese Überlegung allerdings weniger als Kritik am Buch selbst verstanden wissen, sondern vielmehr als Beleg eines darin enthaltenen Houellebecq-Zitates: Der Marktwert von Tod und Leid sei demzufolge "höher geworden als der von Sex". Das Werk des französischen Schriftstellers nach ökonomischen Bezügen zu durchsuchen, wie es der Ökonom Bernard Maris tat, hält der Rezensent nicht für abwegig, schließlich würden Houellebecqs vom Kapitalismus gelangweilte Figuren recht ausgiebig jenes System reflektieren, in dem sie sich befänden. Auch wenn sich Richter einer klaren Einschätzung entzieht, scheint er doch Gefallen am Buch gefunden zu haben.
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