Die Korrespondenz der schweizerischen Botschaft in Ost-Berlin in den Jahren 1982 bis 1990, die überwiegend die deutsch-deutschen Beziehungen im Blick hat, enthält eine Vielzahl staunenswerter Urteile über die letzten Jahre der DDR. Themenfelder in den 96 Berichten sind die Nachrüstung, der Milliardenkredit aus Bonn, die Wirtschaftsbeziehungen, das Ausreise- und Flüchtlingsproblem, die Rolle der Friedensbewegung, Honeckers mehrfach verschobener Besuch in der Bundesrepublik und vor allem der Zusammenbruch der DDR mitsamt der sich vollziehenden Wiedervereinigung. Daneben findet das negative Verhältnis Ost-Berlins zu Moskau Erwähnung. In den zumeist kritischen und distanzierten Schreiben werden die Schwächen der DDR aufgezeigt und Defizite beim Namen genannt. Die Diplomaten stoßen sich an Widersprüchen und raschen Volten sowie an der allgemeinen Tendenz, den Sozialismus schönzureden. Drei Jahre vor dem Zusammenbruch der DDR verliert die Berichterstattung aber gelegentlich an kritischer Distanz. Die weitgehende Ausblendung der Probleme des Landes führt außerdem zu eigenwilligen Schlussfolgerungen. Im Mittelpunkt steht dabei wiederholt die These, dass die DDR vor allem von Bonn "aus den Angeln gehoben" wurde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2017
Eine "spannende Quellenedition" ist Bernd Haunfelder mit seinem Buch gelungen, indem er die Berichte eines ehemaligen Schweizer Botschafters in der DDR aus den Jahren 1982 bis 1990 versammelt und ausführlich kommentiert, meint Rezensent Urs Hafner. Seine Anmerkungen zeugen von Fachkenntnis, doch leider auch von fehlendem Feingefühl gegenüber den diffizileren und differenzierten Beobachtungen des Schweizers, die er allzu oft ein wenig zu grob interpretiert und glaubt bewerten zu müssen, fährt der Kritiker fort. Abgesehen von diesem Mangel ist es jedoch ein lesenswertes Buch, das den Blick auf die DDR, ihr Ende und darauf, was dieses Ende für das Volk bedeutete, aus einer ganz neuen Perspektive ermöglicht, schließt der Rezensent.
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