Bernhard Schlink

Die Enkelin

Roman
Cover: Die Enkelin
Diogenes Verlag, Zürich 2021
ISBN 9783257071818
Gebunden, 368 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Birgit ist zu Kaspar in den Westen geflohen, für die Liebe und die Freiheit. Erst nach ihrem Tod entdeckt er, welchen Preis sie dafür bezahlt hat. Er spürt ihrem Geheimnis nach, begegnet im Osten den Menschen, die für sie zählten, erlebt ihre Bedrückung und ihren Eigensinn. Seine Suche führt ihn zu einer völkischen Gemeinschaft auf dem Land - und zu einem jungen Mädchen, das in ihm den Großvater und in dem er die Enkelin sieht. Ihre Welten könnten nicht fremder sein. Er ringt um sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.11.2021

Rezensentin Dorothea Westphal ist von Bernhard Schlinks neuem Roman "Die Enkelin" nicht ganz überzeugt. Der Autor erzählt darin vom siebzigjährigen Buchhändler Kaspar, der erst nach dem überraschenden Tod seiner depressiven und alkoholabhängigen Frau von ihren Geheimnissen erfährt, darunter das schwerwiegendste, dass sie vor ihrer Flucht aus der DDR mit einem dortigen Funktionär ein Kind bekommen hat, der mittlerweile ziemlich rechten Svenja, deren 14-jährige Tochter Sigrun gegen Geld über die Ferien dem Protagonisten als Enkelin überlassen wird, wie Westphal erklärt. Die Dialoge zwischen Kaspar und Sigrun empfindet die Rezensentin als steif, die Figuren wirken ihr zufolge dadurch eher unauthentisch, auch wenn die Beschreibungen des rechten Milieus sie durchaus interessieren. Am Ende ist Westphal in ihrer Beurteilung des Buches hin- und hergerissen. Immerhin sind die beschriebenen Konfliktlösungen und Antriebe nicht allzu naiv, schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2021

Wie alle seine Bestseller handelt auch Bernhard Schlinks "Die Enkelin" von einer "Katastrophe der neueren deutschen Geschichte", stellt Rezensent Christian Mayer fest - den Folgen der deutschen Teilung,  der Zwiegespaltenheit jener, die weder hüben noch drüben eine echte Heimat hatten. Die besondere Stärke dieses Romans, so Meyer, ist jedoch seine ambivalente Erzählerfigur, dank der der Roman eine große Spannung entwickele. Kaspar hat seine Frau Birgit im Sommer '64 in der DDR kennengelernt, lesen wir. Später, als sich die Hoffnungen dieses Sommers als illusorisch herausstellten, verhalf er ihr zur Flucht in den Westen, wo sie heirateten und bis zu Birgits verfrühtem Tod zusammenlebten. Erst jetzt, als Witwer, erfährt Kaspar vom großen Geheimnis seiner Frau - der verschollenen Tochter, die er nun zu suchen beginnt und auch findet - bei den völkischen Siedlern, wo sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter fernab der bürgerlichen Gesellschaft lebt. Wie Kaspar diese Enkelin seiner Frau nun aus ihrem Umfeld zu befreien versucht, und dabei seine eigenen Schwächen, die Begrenztheit seiner eigenen Weltsicht offenbart, ist durchaus anrührend und überzeugend, findet der Rezensent. Nicht geglückt ist es dem Autor hingegen, das rechtsradikale Milieu realistisch und klischeefrei darzustellen, was in seiner Gesamtwertung aber nicht so sehr ins Gewicht zu fallen scheint. Entscheidender ist die Widersprüchlichkeit, die Gefangenheit des Erzählers, in der sich auch die Gefangenheit seines Autors spiegele, meint der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2021

Laut Rezensent Tilman Spreckelsen hat Bernhard Schlinks neuer Roman, in dem es einmal mehr auch um die deutsche Teilung und Wiedervereinigung geht, exemplifiziert an privaten Schicksalen, wie der Rezensent erklärt, deutliche Schwächen. Was wie eine klassische Ehegeschichte beginnt, in der die ehemaligen Partner auf die gemeinsamen Jahre zurückblicken, schlingert laut Spreckelsen in eine didaktisch angehauchte Erzählung in Teil zwei des Buches. Familiäre Strukturen und Brüche abbilden kann der Autor, gibt Spreckelsen zu. Dass aber die Erzählerstimmen im Buch sämtlich gleich (und gleich unoriginell) klingen, empfindet der Rezensent als Zumutung.
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