Robert Cohen

Anna Seghers im Garten von Jorge Amado

Erzählung
Cover: Anna Seghers im Garten von Jorge Amado
Edition Atelier, Wien 2025
ISBN 9783990651346
Gebunden, 116 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Es gibt ein Foto von Anna Seghers inmitten wild wuchernder Vegetation, 1963 im Garten des Dichters Jorge Amado und seiner Frau in Brasilien. Ausgehend von diesem Foto imaginiert Autor Robert Cohen in seiner Erzählung einen kurzen Augenblick des Nachdenkens der Dichterin, nicht in die DDR zurückzukehren; die Abwägung zwischen unerfüllten Träumen von einem zwar befreiten, aber als einschnürend empfundenen sozialistischen Alltag und dem scheinbar paradiesischen Traum von Exotik und individueller Befreitheit.Seghers erinnert sich an ihre eigene Kindheit am Rhein, ihre Emanzipation als Dichterin, an die Flucht aus dem faschistischen Deutschland, an ihr Exil in Mexiko und an ihre Rückkehr in den Teil von Deutschland, der ihr der interessantere scheint ob seines Credos einer von Zwang, Kapitalismus und ideologischer Beschränktheit befreiten Gesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2025

Größtenteils bereitwillig folgt Rezensent Ulrich Steinmetzger dem literarischen "Gedankenspiel" von Robert Cohen: Ausgehend von einer Fotografie von Anna Seghers von 1963, das die Autorin gedankenversunken vor einem leeren Notizbuch im tropischen Garten ihres Schriftstellerfreundes Jorge Amado zeigt, "imaginiert" der in New York lebende Schweizer Autor, Filmemacher und "Exil-Experte", was Seghers in diesem Moment wohl alles durch den Kopf ging. Kern der Sache ist dabei die Abwägung, ob sie nach Deutschland zurückkehren oder in Brasilien bleiben soll; gegeneinander stehen ein dumpfes Pflichtbewusstsein, auch als Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR, die geplatzten kommunistischen Träume, das "professorale Deutsche" auf der einen Seite, und eine entfesselte Sinnlichkeit, Erotik und Freiheit im Alltag und der Kultur Brasiliens auf der anderen Seite. Wie Cohen das Herumgeistern der Optionen, dieser beiden Welten in Seghers' Kopf entspinnt, das letztlich in ihre Rückkehr mündet, findet der Kritiker poetisch, meist organisch, nur manchmal "einen Tick zu gewollt". Ein "kleiner Text über große Fragen", schließt Steinmetzger nachdenklich.
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