Aus dem Serbischen von Marie Alpermann und Tijana Marijević. Lidija und ihr Bruder Danilo sind beide in die fatale Milena verliebt, Oma Jaglika sitzt in ihrem Schaukelstuhl, von dem aus sie alles sieht, die Mutter tritt nur in der Erinnerung und in kurzen Telegrammen in Erscheinung … In Hunde und Andere zeichnet Biljana Jovanović ein schonungsloses Bild von Familie und Gesellschaft. Sie stellt die Normalität auf den Kopf und fragt, wie Zusammenleben, Liebe, die Wahrnehmung von psychischer Krankheit und letztlich auch das Schreiben selbst anders aussehen können. Nicht zu vergessen: Es ist der erste jugoslawische Roman über lesbische Sexualität.
Rezensentin Carola Ebeling freut sich, dass der zweite Roman der 1996 verstorbenen Serbin Biljana Jovanović nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Gleich zu Beginn nimmt sich die Erzählerin die Freiheit heraus, ihre echten Erinnerungen zu ignorieren und sich eine neue Kindheit zu erfinden, erzählt die Kritikerin. Jovanovićs sprunghafte, sich der klassischen Erzählform entziehende Prosa macht ihr die Lektüre zwar nicht gerade leicht, wer sich auf den ungewöhnlichen Stil einlasse, werde jedoch mit einem Text belohnt, der diverse seinerzeit in Serbien tabuisierte Themen behandelt. Besonders beeindruckt zeigt sich Ebeling von der Darstellung homosexuellen Begehrens und psychischer Störungen.
"Eine regelrechte literarische Explosion" erkennt Rezensentin Lara Sielmann in dem 1980 erstmals im Original erschienenen Roman der jugoslawischen Autorin Biljana Jovanović. Sie begleitet hier die Bibliothekarin Lidija, die in ihrem ansonsten öden Alltag gleich der Gewalt von mehreren Männern ausgesetzt ist. Erst die Liebe zu einer mysteriösen Frau, welche gleichzeitig Liebhaberin ihres Bruders ist, reißt Lidija aus ihrem Alltag heraus, fasst Sielmann zusammen. Der Autorin gelingt es hierbei nicht nur, so die begeisterte Kritikerin, eine gelungene Geschichte über das Aufwachsen einer Frau im patriarchalen und sozialistischen Jugoslawien zu erzählen, sondern auch die Figuren lebhaft zu gestalten, mit Humor auszustatten und sich auf die Wohnung der Geschwister Lidija und Danilo als Ort der Handlung zu beschränken. Sielmann ist die Freude an diesem, wie sie findet, "zeitlosen" Buch, klar anzumerken.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…