Cassirers Denken zeichnet sich aus durch eine hohe ethische Appetenz. Es ist daher auffällig, daß er keine eigene Ethik geschrieben hat. Das Buch will in einer systematischen Interpretation Ernst Cassirers Philosophie im Ganzen aus einem methodischen Primat des Praktischen einsichtig machen: Es ist zu zeigen, daß nach Cassirers bedeutungstheoretisch grundierter Konzeption des Menschen und seiner Kultur schon die eigentlich "theoretischen" Aspekte menschlichen Weltverstehens allein durch den Charakter der Verwandlung von Gegebenem in ein anderes Medium und damit von freier und produktiver Tätigkeit zu begreifen sind. Zieht sich menschliche Produktivität derart wie der rote Faden von den elementaren bis zu den höchst komplexen Leistungen durch die Kultur, so ist damit zugleich die Kontinuität zwischen theoretischem und im engeren Sinne praktischem Weltverhältnis behauptet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2004
Eine kritische Auseinandersetzung mit Ernst Cassirers Kulturphilosophie sieht Thomas Meyer in Birgit Reckis Buch "Kultur als Praxis", das er als eine von mehreren neuen Arbeiten über Cassirer bespricht. So kritisiere die Autorin, dass Cassirer trotz zahlreicher Äußerungen, die auf ein Primat der Ethik in seiner Philosophie hinwiesen, niemals eine systematische Begründung dieser Idee geliefert habe. Zudem finde sie Cassirers Kultur-Begriff zu "allgemein und unspezifisch". Für wichtiger als Reckis Einwände gegen Cassirer hält Meyer allerdings die Punkte, in denen die Autorin mit dem Philosophen übereinstimmt. Auch Recki schreibe eine Ethik des Antitragischen und komme damit Cassirers "Kritik der Kultur" entgegen; zudem stimmten beide in den wesentlichen Grundannahmen überein. Meyer hält fest, dass Recki auf einem umfassenden Begriff von Kultur als Ort der Gestaltung der Wirklichkeit des Menschen bestehe und zugleich betone, dass der Kulturphilosophie eine Handlungstheorie an die Seite gestellt werden müsse.
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