Mit einer Einleitung von Ludger Heid. Weihnachten 1938 steht die Familie Fürst am Bahnhof, um aus ihrer Heimatstadt Wien zu fliehen. Die Fürsts sind fromme Juden. Ihre Flucht führt sie quer durch Westeuropa über Köln, Brüssel und London nach Manchester; in den 1970er Jahren schließlich gehen Tochter Lilian und ihr Vater Desider in die USA. Beide haben, unabhängig voneinander, ihre Erinnerungen an diese Zeit aufgeschrieben, die Lilian schließlich im vorliegenden Buch zusammengeführt hat. So entstehen zwei Versionen einer Geschichte, die eigentlich die gleiche ist und sich doch wesentlich unterscheidet: Der Vater blickt als älterer Mann zurück auf sein Leben, die Tochter ruft sich als erwachsene Frau ihre Kindheit und Jugend ins Gedächtnis. Der Leser erhält damit Einblick in die Nöte eines Erwachsenen, der seine mühevoll aufgebaute Existenz aufgeben und durch die Flucht das Überleben seiner Familie sichern muss. Gleichzeitig sieht er die Flucht und die daraus resultierende existenzielle Verunsicherung mit den Augen eines Kindes. Und genau dies macht diese "doppelte" Autobiografie zu einem ganz besonderen Zeitdokument.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.01.2010
Rezensentin Renate Wiggershaus wird bei der Lektüre dieser zweistimmigen Vater-Tochter-Biografie erneut bewusst, wie nachhaltig die NS-Herrschaft ihren verbrecherischen Schrecken in die Welt brachte. Im Mittelpunkt des Buches von Lilian und Desider Furst erkennt sie das Geschehen um die Verfolgung und die Flucht der jüdischen Familie aus Wien und die leidvolle Odyssee auf der Suche nach einer neuen Heimat, die die Fursts schließlich in Manchester finden sollten. Besonders reizvoll erscheint Wiggershaus die doppelte Perspektivik, die historische des Vaters und die von Emotionen geprägte des Kindes.
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