Herausgegeben von Burkhard Jellonnek und Rüdiger Lautmann. Lassen sich der millionenfache Mord an den Juden und die Verfolgung der Homosexuellen in NS-Deutschland in einem Atemzug nennen? Der Holocaust gilt als ein Grundereignis der neueren deutschen Geschichte und nagt am Selbstverständnis der Nation. Aber die Unterdrückung der gleichgeschlechtlichen Liebe? Erst neuerdings kümmert sich die Politik darum und diskutiert über Wiedergutmachung, Rehabilitation und Gedenken. Auschwitz hier, Rosa Winkel dort - das sind zwei Geschichten, die weder in den Zielen noch in den Zahlen über einen Kamm zu scheren sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2002
Rezensent Hans-Jürgen Döscher zeigt sich in seiner primär referierenden Besprechung sehr zufrieden mit dem aus einem Kongress hervorgegangenen Band über den nationalsozialistischen Terror gegen Homosexuelle, der Beiträge von Historikern, Soziologen und Medizinern versammelt. Neben den Aufsätzen von Wolfgang Benz über die "späte Wahrnehmung nichtjüdischer Opfer", von Burkhard Jellonnek über staatspolizeiliche Fahndungs- und Ermittlungsmethoden gegen Homosexuelle und von John C. Fouts über Alltagsleben und Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich erwähnt Döscher die Beiträge von Manfred Herzer über schwule Widerstandskämpfer und Angela H. Meyer über die Diskriminierung lesbischer Frauen in Österreich. Besonders angetan hat es dem Rezensenten das "eindrucksvolle" Geleitwort von Rita Süssmuth. Süssmuth hebe hervor, dass homosexuelle Opfer des Naziregimes in der deutschen Öffentlichkeit lange Zeit tabuisiert und vergessen wurden. Dagegen macht Süssmuth nach Ansicht des Rezensenten nachdrücklich klar, dass Homosexuelle keine "Opfer zweiter Klasse" gewesen sind.
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