Wir können ihn täglich beobachten - den immer härteren und schrilleren Krieg um Macht und Vorherrschaft in den digitalen Medien. Doch wer kämpft eigentlich gegen wen? Der international renommierte Medienwissenschaftler Martin Andree zeigt, wie eine Koalition aus Dark Tech, Trump und Rechtspopulisten offen nach autokratischer Macht greift. Über digitale Monopole kontrolliert sie zunehmend die Öffentlichkeit. Mit jedem Tag wird es schwerer, unsere freie Welt noch zu retten. Werden wir das Ruder noch herumreißen? Oder wird diewestliche Welt in Spaltung, Chaos oder gar Bürgerkrieg enden?
Der hier rezensierende Medien- und Kommunikationswissenschaftler Stephan Weichert liest Martin Andrees neue Streitschrift als wuchtigen Weckruf. Der Kölner Medienwissenschaftler warnt vor der "Dark Tech"-Macht, also jenen unregulierten Konzernen, die unsere Diskurse algorithmisch steuern. Ganze 184 Mal fällt dieser Begriff, staunt der Kritiker - und stets ist klar: "Im Krieg um die Medien gewinnen gerade die Dark-Tech-Konzerne." Andree zeigt, wie Populisten und Plattformlogik ineinandergreifen, befeuert durch Figuren wie Trump oder Peter Thiel. Für Weichert ist das kein nüchternes Sachbuch, sondern "ein kämpferisches Manifest", das LeserInnen aufrütteln will. Zwar bleibt Andree konkrete Lösungen schuldig, doch er skizziert eine Vision: eine digitale Öffentlichkeit, die Relevanz über Reichweite stellt. Wer verstehen will, warum demokratische Souveränität akut gefährdet ist, findet hier eine drastische, polemische, aber dringliche Analyse.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.08.2025
Einen wichtigen Aufruf hoffentlich noch zur rechten Zeit vernimmt Rezensentin Vera Linß in diesem Buch. Martin Andree schreibt darin über die Versuche der großen Tech-Konzerne, die Demokratie auszuhebeln, indem ein an wissenschaftlichen und journalistischen Standards orientierter Diskurs durch Influencer-Quatsch und Aufmerksamkeitsmagneten a la Trump ausgehebelt wird. Ziel ist dabei, glaubt Andree laut Linß, die Propagierung libertärer Ideen mithilfe eines ahistorischen Begriffs bedingungsloser Meinungsfreiheit. Ein bisschen arg polemisch formuliert Andree hier und da schon, meint Linß, die allerdings weitgehend einverstanden ist mit Andrees Diagnose und auch mit den hier propagierten Lösungsvorschlägen viel anfangen kann: Das Monopol der Tech-Giganten soll zerschlagen werden, ihre Websites sollen denselben Kontrollinstanzen unterworfen werden wie klassische Medien.
"Das Internet muss wieder allen Menschen gehören und nicht nur den Techkonzernen und den rechtspopulistischen Polarisierungstrollen", fordert der Medienwissenschaftler Martin Andree in der FAZ, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat. So hat die von Vance, Musk und Co und hier von der AfD geforderte "Meinungsfreiheit" den ganz gegenteiligen Effekt im Netz, erklärt er: "Eine unbegrenzte Meinungsfreiheit hat paradoxerweise negative Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit selbst. Umfragen zeigen, dass unter den Bedingungen von Hatespeech und Shitstorms auf Plattformen je nach Fragestellung zwischen 20 Prozent und 50 Prozent der (moderater eingestellten) Bürger und Bürgerinnen so eingeschüchtert sind, dass sie im Netz zunehmend verstummen. Zuletzt führt die verbale Gewalt auf den Plattformen dazu, dass Politiker und andere öffentliche Akteure aufgeben (wie zuletzt Kevin Kühnert)." Unser Resümee
Libertär ist nicht liberal, sondern genau das Gegenteil, ruft in der SZ der Medienwissenschaftler Martin Andree, der gerade ein Buch über "Dark Tech und Populisten" veröffentlicht hat: Libertäre "wollen uns die Freiheit für immer nehmen. Sie wollen uns kontrollieren in digitalen Monopolen, sie wollen uns erpressen durch ihre Dominanz auf dem Feld der digitalen Infrastrukturen, sie wollen uns den Fängen ihrer autokratischen Partner ausliefern, also der US-Regierung auf der einen und Putin auf der anderen Seite. (Wirtschafts-)liberale Parteien wie die CDU/CSU oder die FDP werden erst dann wieder aus der politischen Defensive kommen, wenn es ihnen gelingt, selbst eine eigene, überzeugende Programmatik der politischen Freiheit zu entwickeln. Und wie die aussehen könnte, liegt auf der Hand: Wir brauchen jetzt eine wirtschaftsliberale Initiative gegen die Tech-Monopole, die wir genauso konsequent abschaffen müssen, wie wir das in den Neunzigerjahren mit dem Monopol im Bereich der Telekommunikation hinbekommen haben. Eine Befreiungsbewegung gegen einseitige Rechtsprivilegien und Vorzugsbehandlungen, die nur den Tech-Monopolisten helfen, aber andere Markt- und Medienteilnehmer chancenlos lässt." Unser Resümee
Vollends lächerlich gemacht hat sich Europa mit seinem Gipfel zu "digitaler Souveränität" ungefähr dreißig Jahre, nachdem das Internet populär wurde, findet der Medienwissenschaftler Martin Andree, aktuelles Buch "Krieg der neuen Medien", in der FAZ: "Vielleicht hat Trump hinter den Kulissen längst durchscheinen lassen: 'Wenn ihr auch nur einen Finger gegen unsere digitalen Monopole rührt, seid ihr im Ukrainekrieg am nächsten Tag vollständig auf euch selbst gestellt.' Aber dann wäre es rücksichtsvoll, wenn man uns einen solchen Gipfel ersparte und uns die Unterwerfung nicht noch als 'Souveränität' verkaufte." Unser Resümee
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