Herausgegeben von Lukas Gloor, Reto Sorg und Peter Utz. Carl Seeligs Wanderungen mit Robert Walser prägen das Weiterleben von Robert Walsers Werk bis heute. Sie zeigen den von 1933 bis 1956 in Herisau internierten, für die Welt 'verstummten' Dichter als einen bei aller Zurückhaltung höchst selbstbewussten Autor und hellwachen Zeitgenossen. Auf langen Spaziergängen und an gut gedeckten Tischen entfalten die Wanderungen eine Freiheit der Bewegung, der Gedanken und der Sprache, wie sie Walsers Werk von Anfang an bestimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.05.2021
Rezensent Lothar Müller begibt sich gern noch einmal mit Carl Seelig auf Wanderungen mit Robert Walser. Es ist beileibe nicht die erste Ausgabe, räumt der Kritiker ein, immer wieder sind Seeligs Notate der vielen gemeinsamen Wanderungen verlegt worden. Aber das vorliegende Buch bezieht sich auf den Text der Originalausgabe, selbst die schweizerischen Wendungen wurden übernommen und werden erst im Glossar erläutert, fährt Müller fort. Aber auch davon abgesehen lohne die Wiederlektüre: Aus Walser, aber auch Seeligs Nachlass sind immer weitere Texte veröffentlicht worden, die das Bild der Autoren und ihrer Beziehung nachhaltig veränderten, erklärt der Kritiker. Und so liest er hier nicht nur Gespräche über beide Weltkriege, über den spanischen Bürgerkrieg oder den Abessinien-Krieg, über Arbeitsprozesse und Schriftstellertätigkeit, sondern justiert auch seinen Blick auf die freundschaftliche Beziehung der beiden Autoren neu: Seelig, der bereits Ende Mai 1944 die Vormundschaft über Walser übernahm und auch hinter dessen Rücken Gespräche mit Ärzten führte, griff subtil, aber deutlich auch in Walsers schriftstellerisches Werk ein - Seeligs "Aneignungsernergie" bezeugen vor allem die letzten Seiten dieser neuen Edition, verrät der Rezensent.
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