Carlos Maria Dominguez

Die blinde Küste

Roman
Cover: Die blinde Küste
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518421819
Gebunden, 137 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem argentinischen Spanisch von Susanne Lange. Auf einer winterlichen Landstraße am Rio de la Plata trifft der fünfzigjährige Arturo Balz die junge Tramperin Camboya. Widerwillig nimmt er das Mädchen mit, ohne zu ahnen, dass ihrer beider Geschichte zusammenhängt. Beide fliehen sie vor einem Gestern, das sich ihnen erst erschließt, als sie in einer einsamen Strandhütte am Feuer zu erzählen beginnen, während draußen der Sturm heraufzieht.
Arturo schleppt seine Vergangenheit mit sich, die Liebe zu Cecilia, die von Montevideo nach Buenos Aires floh, von einer Diktatur in die nächste, und eines Tages verschwand. Camboya lässt ihre ziellosen Liebschaften hinter sich und kämpft mit dem Märtyrerschatten ihrer Tante eben jener Cecilia, nach deren spurlosem Verschwinden Arturo sich fast aufgegeben hatte. Im Gespräch tasten sie sich an das Unbegriffene ihres Lebens heran, dem sie an der einsamen Küste ungeschützt ausgesetzt sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2010

Lobend spricht Rezensent Kersten Knipp von Carlos Maria Dominguez' Roman über die Spätfolgen der argentinischen Diktatur. Auch wenn die Geschichte um die während der Diktatur verschwundene Cecilia einen großen Zufall bemüht, um ihre Nichte und ihren trauernden Freund, die nichts voneinander wissen, zusammenzuführen, wirkt "Die blinde Küste" auf ihn subtil, realistisch und psychologisch überzeugend. Er schätzt die feine Beobachtungsgabe des Autors und seine Zurückhaltung im Umgang mit dem Schrecken der Diktatur. Dadurch unterscheidet sich das Buch für Knipp auch wohltuend von anderen argentinischen Romanen der Gegenwart, in denen das Thema der Diktatur gelegentlich allzu flach und emotional triefend behandelt wurde. Dagegen scheint ihm die "Die stille Küste" wie eine "stille Etüde, fein, vornehm, zurückhaltend". Auch die Übersetzung von Susanne Lange findet sein Lob.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.08.2010

Inmitten eines "Kammerspiels" privater Tragödien findet sich Rezensent Andreas Fanizadeh in Carlos Maria Dominguez' Roman "Die blinde Küste" wieder. In dieser an der uruguayischen Küste spielenden Geschichte begegnen ihm zahlreiche kuriose Figuren, die in den siebziger Jahren alle auf ihre Weise Opfer der argentinischen Diktatur geworden sind. Da gibt es Brenda, die "melancholische Trinkerin", die in Buenos Aires einst als Lehrerin arbeitete, oder Arturo, den Gärtner, dessen Freundin eines Tages in der argentinischen Hauptstadt verschwand. Der Kritiker ist ganz fasziniert von Dominguez' "extrem komprimierter" Erzählung, die das historische Verbrechen zugleich "vielschichtig" und mitreißend aufarbeitet, ohne dabei platt moralisch zu werden.

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