Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz. Desertierte argentinische Soldaten, die "Pichis", haben in dem wüstenartigen Gelände der Islas Malvinas großflächig unterirdische Gänge angelegt und warten dort auf das Ende des absurden Krieges. Nachts kommen sie an die Oberfläche und handeln mit Schmuggelwaren; sie verkaufen Zucker, Zigaretten, Kerosin an beide Seiten, die Engländer und die Argentinier. Tagsüber sitzen sie in ihren Höhlen, hören britische Nachrichten ab und erzählen sich Geschichten. Eine exzentrische Parabel auf die Militärdiktatur und gleichzeitig das skurrilste Kriegszeugnis der lateinamerikanischen Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2010
Geradezu physisch mitgenommen hat Andreas Breitenstein nach eigenen Angaben Rodolfo Enrique Fogwills Roman über den Falklandkrieg, der gleichzeitig ganz nah an das Geschehen heranrückt und es aus der Entfernung betrachtet. Der argentinische Autor erzählt von dem absurden Krieg, der letztlich die Militärdiktatur in Argentinien zu Fall brachte, aus der Perspektive von Deserteuren, die sich in einer Höhle versteckt halten, erklärt der Rezensent. Der Autor soll diesen "kapitalen Roman" innerhalb von sechs Tagen im Drogenrausch zu Papier gebracht haben, berichtet Breitenstein, der sich gerade von der Aura des "Unbegreiflichen", die diese Kriegserzählung umgibt, tief beeindruckt zeigt. Die Deserteure haben sich in ihrem Höhlenreich, in dem sie unter schwierigsten Bedingungen hausen und das sie nur nachts verlassen können, in einem "tyrannischen Regiment" organisiert, das das Überleben garantieren soll, erklärt der Rezensent, der hier ein Abbild der militarisierten argentinischen Gesellschaft zu erkennen glaubt. Das Buch ist eine überaus in Bann ziehende "Verteidigung eines Defätismus, der jedes System untergräbt", so Breitenstein, der mit dem Roman einen "zeitlosen Wurf" feiert, in dem der Krieg eine "neue schaurig-schöne" literarische Facette abgewonnen wird.
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