Wie lässt sich von Krieg und Gewalt erzählen? Warum lässt Gewalt die Betroffenen oft verstummen? Was bedeutet das für uns, die Verschonten? Carolin Emcke bereist seit Jahren von Krieg und Gewalt versehrte Länder. Immer wieder wird sie gebeten, die schrecklichen Erlebnisse der Menschen aufzuschreiben. Gibt es dabei Grenzen des Verstehens? Schwellen des Sagbaren? Welche Bedingungen muss eine Gesellschaft schaffen, damit die Opfer von Gewalt über das Erlittene sprechen können? Diesen Fragen stellt sich Carolin Emcke mit ihren Essays in der Überzeugung, dass es nicht nur möglich, sondern nötig ist, vom Leid anderer zu erzählen - für die Opfer von Gewalt ebenso wie für die Gemeinschaft, in der wir leben wollen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2014
Caroline Emcke verhandelt in ihrem Essay "Weil es sagbar ist" die Möglichkeit eines angemessenen Kriegs- und Krisenjournalismus auf so eindringliche und reflektierte Art und Weise, dass er zur Pflichtlektüre für Kollegen werden sollte, meint Oliver Pfohlmann. Emcke geht der Frage nach, warum es für die Opfer von Gewalt oft so schwierig ist, vom eigenen Leid zu berichten; warum es für die Gesellschaft trotzdem wichtig ist, dass von diesem Leid erzählt wird; und wie es möglich sein könnte, die voreilige Berufung auf die Unsagbarkeit zu vermeiden, erklärt der Rezensent. Auch die anderen Essays des Bandes sind größtenteils sehr lesenswert, findet Pfohlmann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Gegen die Rede vom Unsagbaren zieht die Autorin wie keine andere ins Feld, schreibt Christian Geyer voller Hochachtung für Carolin Emcke, die in diesem Buch, wie der Rezensent erklärt, eine Art philosophische Traumatherapie entwickelt. Wenn sich Emcke dabei gegen den Jargon der Heiler und gegen die wohlfeile Anwendung von Formeln (etwa bei der Beschreibung des Grauens von Auschwitz) wendet, staunt Geyer, wie weit die Autorin mit ihrer Sprache dem Unrecht zu Leibe rückt, bis es tatsächlich sagbar ist. Allerdings sieht er auch die Grenzen dieser Kritik. Da nämlich, wo Schweigen eine Strategie der Opfer ist. Und das ritualisierte Reden angesichts eines Grauens erscheint dem Rezensenten auch nicht gar so verdammenswert, wie Emcke es darstellt. Immerhin, meint er, widersetzt es sich einer Ausformulierung des Gemeinten ja nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2013
Verglichen mit den lebendigen Reportagen der Journalistin Carolin Emcke kommt ihr Essay-Band "Weil es sagbar ist" trocken und wenig fokussiert daher, konstatiert Tim Neshitov etwas enttäuscht. Den dreizehn Aufsätze hätte ein Redigat gutgetan, zudem vermisst er eine Beantwortung der an sich spannenden Frage nach dem Zusammenhang von Gewalt und Sprachlosigkeit, die der Band stellt. Die Schilderungen ihrer Erlebnisse in Krisenregionen stoßen, so findet der Rezensent, eher an die Grenzen des Erzählbaren als dass sie die Opfer zu Wort kommen lassen. Bei der Nüchternheit des wissenschaftlichen Duktus wünscht er sich die Eindringlichkeit ihrer preisgekrönten Reportagen auch für die Essays.
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