Caroline Wahl

Die Assistentin

Roman
Cover: Die Assistentin
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498007706
Gebunden, 368 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Eine Karriere als Musikerin - das war eigentlich Charlottes größter Wunsch. Aber jetzt ist es ja eh zu spät, und sie muss sich um einen vernünftigen Job kümmern, schon wegen der Eltern. Sie findet eine Stelle in einem Verlag, auch nicht schlecht, und München ist eine schöne Stadt, vor allem im Sommer.Im Vorzimmer des Verlegers sitzt Charlotte ganz nah am Zentrum der Macht. Dass der seine Assistentinnen oft auswechselt, kriegt sie schnell mit. Aber sie entwickelt ein gutes Verhältnis zu ihrem Chef, der ihre Stärken erkennt, ihr vertraut. Und dafür muss sie eben viel in Kauf nehmen, sehr viel, vielleicht auch selbst mit harten Bandagen kämpfen, vielleicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Vielleicht sogar Bo verlieren, in den sie sich doch gerade erst verliebt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.09.2025

Als "flott", aber nicht "atemlos" beschreibt Rezensentin Judith von Sternburg Caroline Wahls neuen Hit. Und meint damit: einiges zu bieten habe "Die Assistentin" schon; im Zentrum eine "Jederfrau" im besten Sinne, nämlich die Verlagsassistentin Charlotte, die sich in einem echten "Mistjob" mit den Extrawürsten und Grenzüberschreitungen eines Verlegers rumquält und das mit Musik kompensiert - darin dürften sich Millionen junge Frauen wiedererkennen, meint von Sternburg. Hinzu kämen schwungvolle und witzige Dialoge (vor allem mit den Eltern), coole Vierte-Wand-Brüche von der Erzählerin und ein insgesamt auch zumindest ambitionierter Aufbau - aber hier kommt die Kritikerin dann doch ins Hadern: denn irgendwie löse Wahl dann doch nicht ganz ein, was sie mit der frühen Vorwegnahme des Schlusses implizit verspreche, weil es dann einfach genau so kommt, ganz ohne Überraschungen, meint von Sternburg enttäuscht. Auch gerät ihr die Balance zwischen Verlagssatire und "Wirklich-erwachsen-Werden-Roman" insgesamt zu "harmlos". Trotzdem scheint sie die ganzen Empörungen über Wahls "Hybris" daneben zu finden und zeigt Sympathie für diese Frau, "die was will und was kann".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.09.2025

Rezensentin Marie-Luise Goldmann ordnet Caroline Wahls neuen Roman dem SickLit-Genre zu: Die titelgebende Assistentin wird von dem Verleger,  für den sie arbeitet, mit Belästigungen und Druck an den Rand der Verzweiflung getrieben. Das erinnert Goldmann an Robert Walser, die  Erzählfigur selbst, Charlotte, schaltet sich als Kommentatorin immer  wieder ein und denkt an "Der Teufel trägt Prada." Sie reflektiert ihr Erzählen clever und lustig mit Bezügen auf die sehr erfolgreichen,  aber auch immer wieder kritisierten Vorgängerromane Wahls, lesen wir.  Dass es viele Ähnlichkeiten zum tatsächlichen Lebenslauf der Autorin  gibt, ist für die Kritikerin auch Teil einer klugen  Inszenierungsstrategie, bei der nur leider die Nebenfiguren ein bisschen zu kurz kommen. Die Verlegerfigur ist für sie aber "das  brillanteste Monster der jüngeren Gegenwartsliteratur", wie sie schließt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.08.2025

Rezensent Tobias Rüther bespricht Caroline Wahls neuen Roman im Rahmen eines Gesprächs mit der Autorin. Das Buch dreht sich um Charlotte, eine Endzwanzigerin, die als Assistentin eines Verlegers namens Ugo Maise zu arbeiten beginnt, der sie in übergriffiger Weise kontrolliert und viel zu viele Anforderungen stellt, resümiert Rüther. Denen unterwirft sich Charlotte zunächst, auch Grenzüberschreitungen Maises akzeptiert sie, bis sie schließlich doch kündigt und eigene Wege geht. Anders als Wahls frühere Bücher ist das Neue nicht geradlinig erzählt, sondern kommentiert sich laut Rüther andauernd selbst, was auch dazu führt, dass das Ende der Geschichte bereits am Anfang vorweggenommen wird. Als einen Schritt hin zum anspruchsvolleren Schreiben beschreibt der Rezensent das. Außerdem liest er den Roman als Porträt der Generation des Verlegers, eines Mannes, der seine Privilegien nicht sinnvoll einzusetzen versteht. Mit Wertungen hält sich Rüther zurück, großen Verkaufserfolg allerdings sagt er dem Buch vorher.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.08.2025

Rezensent Nils Schniederjann beschreibt anhand des neuen Romans von Bestsellerautorin und BookTok-Liebling Caroline Wahl das, was Moritz Baßler einmal den "neuen Midcult" genannt hat. Gemeint ist eine Literatur, die sich ernster, großer Themen annimmt, diese auf möglichst eingängige Weise beschreibt, und das Ganze dann mit ein bisschen literarischem Lametta schmückt, sodass es zumindest nach Hochliteratur aussieht und anfühlt. In "Die Assistentin" etwa lässt Wahl eine junge Frau erzählen, die in prekären Verhältnissen lebt, eigentlich gerne Musikerin wäre und sich nach Anerkennung sehnt, vor allem von älteren, männlichen Autoritätspersonen wie zum Beispiel ihrem toxischen Vorgesetzten, einem egozentrischen Verleger. Gekonnt bedient sich die Autorin hier bewährter Erzählmuster sowie einer Sprache, die in keinster Weise irritiert, wobei sie immer mal wieder auf die Metabene springt, um ihr Narrativ und die eigene klischeehafte Rolle darin zu kommentieren. Doch auch diese Einschübe sind leider nicht der Ausbruch aus den Konventionen, den Schniederjahn sich gewünscht hätte, sondern nur Dekoration, nur Lametta, seufzt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2025

Nicht allzu viel Lesefreude bereitet Caroline Wahls neues Buch Rezensent Tilman Spreckelsen. Autobiografisch grundiert ist diese Emanzipationsgeschichte, glaubt Spreckelsen, die Hauptfigur heißt Charlotte und sie nimmt gleich zu Beginn eine Stelle bei einem Verlag an, als Assistentin des Chefs mit Namen Ugo Maise. Maise hat tatsächlich eine Meise, stellt Spreckelsen klar, er ist ein Exzentriker, der genaue Vorstellungen davon hat, was seine Assistentinnen - es gibt zunächst eine zweite namens Ivana, aber nicht lange - zu tun haben. Charlotte verhält sich diesen Anforderungen gemäß und steigt zunächst rasch auf, irgendwann hält sie den Maise-Terror jedoch nicht mehr aus und kündigt. Wahl schreibt hier auktorial und vor allem ziemlich verlabert, urteilt der Rezensent, fast wirkt es, als würde man hier von einem Bekannten eine Geschichte erzählt bekommen - nur dass ihm andauernd neue Details einfallen. Der am Mündlichen orientierte Stil ist in Schriftform doch eher ermüdend, ärgert sich Spreckelsen, selbst gute Ideen gehen unter in ewigen Auslegungen und Auserklärungen. Insgesamt eher ein Fehlschlag, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.08.2025

Rezensentin Marie Schmidt freut sich über einen gelungenen dritten Roman von Caroline Wahl, die einen fast kometenhaften Aufstieg in der Literaturwelt hingelegt hat und hier über eine junge Frau schreibt, die Assistentin eines Verlagschefs und damit ziemlich unglücklich wird. Nicht ganz weit weg von ihren eigenen Erfahrungen bei Diogenes schreibe Wahl die Geschichte eines Machtmissbrauchs, in dem die Kolleginnen mit ihrer unterwürfigen Art noch dazu beitragen, dass ein Egomane sich verwirklichen kann. Was Schmidt daran überzeugt, ist, wie Wahl durchscheinen lässt, dass auch der Verlagschef eigentlich zutiefst unsicher ist und bemuttert werden will. Wie die Erzählerin das in "süffisantem Ton" kommentiert und das Erzählte dabei reflektiert, gefällt der Kritikerin sehr gut. So ist dies ein Text gespeist aus persönlichen Erfahrungen, der gleichzeitig durchaus anschlussfähig bleibt, denn diese Art des Machtmissbrauchs ist wohl leider immer noch sehr verbreitet, meint die Kritikerin. Wahl setzt dem allerdings ein deutliches Zeichen der Stärke entgegen, in dem sie den "Triumph" ihrer Protagonistin zur zentralen Botschaft des Textes werden lässt, letztendlich ist es sie, die "alles in der Hand" hat, nickt eine überzeugte Kritikerin. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.08.2025

Der wahnsinnige Erfolg, den Caroline Wahl mit ihren ersten beiden Büchern gehabt hat, macht Rezensentin Laura Hertreiter ein wenig skeptisch: Um "Frauen, die sich durchstruggeln" geht es, viele (Frauen) können sich mit den Protagonistinnen identifizieren. Hertreiter beleuchtet Wahls selbstbewusstes Auftreten kritisch, ist sich aber sicher, dass auch dieses Buch ein Erfolg werden wird: Es geht - mit biografischen Anklängen - um eine junge Frau, die Verlagsassistentin wird und diesen Job absolut abscheulich findet. In witziger und unterhaltsamer Manier wird Romantik ebenso geschildert wie Panikattacken, aber auch die Einsamkeit, die sich einstellt, wenn man Leute nur noch über Social Media beobachtet. Das Ende ist typisch Wahl, verrät die Kritikerin, ihr gefällt aber, wie hier von Machtdynamiken erzählt wird.

Buch in der Debatte

Efeu 10.09.2025
Giorgia Grimaldi ärgert sich in der taz über die Häme, die insbesondere auf Social Media (auch aufs Feuilleton zielt Grimaldi eher diffus, allerdings herrscht dort nach unserem Eindruck eher Zurückhaltung, siehe auch hier, aber auch in unseren Buchnotizen) über der Schriftstellerin Caroline Wahl und ihr aktuelles Buch "Die Assistentin" ausgegossen wird. "Eine Frau, die schon mit dreißig ungeniert Ferrari oder andere Flitzer fährt und damit nicht hinterm Berg hält, die protzt und in Zukunft noch mehr will, da schlottern vielen die Knie. Ja, mächtige Frauen machen Männern Angst. Aber, noch schlimmer: Auch Frauen machen ferrarifahrende Frauen Angst. Der überwiegend weiblich angeführte Lynchmob auf Social Media ist das beste Beispiel dafür, dass Frauen noch immer an der vom Patriarchat auferlegten Scham und Zurückhaltung festhalten, wenn es um Geld geht, während jeder mittelmäßig erfolgreiche Mann einen Sportwagen fährt." Unser Resümee
Efeu 09.09.2025
Die Kulturkritik ist zum zahnlosen Tiger geworden, der sich ins ungesalzen Lauwarme flüchtet, statt mal ordentlich auf den Tisch zu hauen und mit Leidenschaft ein Urteil zu vertreten. So jedenfalls Philipp Bovermanns in der SZ geäußerter Befund, nachdem er die Kritiken zum neuen Roman von Caroline Wahl und Ulf Poschardts so "denkfauler" wie "seichter" Kulturbetriebsabrechnung "Shitbürgertum" gelesen hat. Unser Resümee

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