Klappentext

Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter. In "Lenins Zug. Die Reise in die Revolution" erzählt die britische Historikerin Catherine Merridale die Geschichte der berühmtesten Zugfahrt der Weltgeschichte, an deren Ende das Zarenreich unterging und die Sowjetunion entstand. Als 1917 der Erste Weltkrieg endlos zu werden drohte, beschloss die deutsche Regierung, den Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin nach Russland zu schmuggeln - nicht ahnend, dass Lenins Fahrt im plombierten Waggon in die weltstürzende Oktoberrevolution münden würde. Spannend schildert sie eine Welt, die wir sonst nur aus Spionageromanen kennen: Agenten in teuren Hotels, Diplomaten auf glattem Parkett, debattierende Exil-Revolutionäre in verrauchten Cafés - und draußen auf den Straßen St. Petersburgs marschieren die streikenden Fabrikarbeiter. Sie sind es, die Lenin schließlich jubelnd in einem Meer roter Fahnen in St. Petersburg empfangen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.04.2017

Rezensent Jens Bisky fragt sich, was denn eine "feminine Villa" sein soll. So gelesen im Buch der Historikerin Catherine Merridale über Lenins Reise im Zug in die Revolution. Schlecht lektoriert scheint ihm das Buch und auch sonst unausgegoren, da kann die Autorin noch so penibel Nebensächlichkeiten berichten, Fahrpläne heranziehen und dem Genossen Lenin hinterherfahren, Station für Station. Solange sie zu den historisch brennenden Fragen und zu Lenins Taktik nichts Neues zu bieten hat, bleibt Bisky kühl. So prallt die Form der historischen Reportage glatt am Rezensenten ab. Nur das Kapitel über die Schicksale von Lenins Reisegenossen bringt Bisky schließlich doch noch in Wallung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2017

Wenn sich die Historikerin Catherine Merridale der berühmtesten Eisenbahnfahrt des 20. Jahrhunderts annimmt und ihrer Hauptfigur Lenin und seinen Getreuen bis an die schwedisch-russische Grenze folgt, fragt sich Stefan Plaggenborg, was die Autorin Neues über das Altbekannte zu erzählen hat. Es ist eher das Wie, erklärt Plaggenborg seine erneute Faszination. Collageartig, meint er, verwebt die Autorin die Reise mit den Aktionen der Großmächte, das Kleine mit dem großen Ganzen. Für den Rezensenten auf alle Fälle eine unterhaltsame Angelegenheit.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.04.2017

Marc Reichwein schätzt die Werke der britischen Historikerin Catherine Merridale. Der Rechercheaufwand, den die Autorin für ihre Studie über Lenins Zugreise von Zürich nach Moskau betrieben hat, verschlägt dem Kritiker allerdings schier den Atem: Anhand von Bahnfahrplänen, Agentendepeschen, Bankanweisungen und Untersuchen zum Wetter des Jahres 1917 rekonstruiert sie Lenins Reise präzise und atmosphärisch dicht, lobt der Kritiker, der hier gebannt alle Absurditäten der konspirativen Reise durch das deutsche Reichsgebiet zur Ostseeküste und von dort über Schweden und Finnland nach Russland nachliest. Die Gerüchte, Lenins Zugfahrt sei von deutscher Seite finanziert worden, kann Merridale in genauer Analyse zerlegen, informiert Reichwein. Darüber hinaus erfährt er amüsiert, dass Lenins Waggon einen "exterritorialen Status" erhielt, die Grenze mit Kreide markiert wurde und in Folge für Lenins 32-köpfige Begleitung lediglich eine Toilette zur Verfügung stand. Wie die Autorin in bester "Reportagemanier" und ganz ohne "Geschichtsklitterung" vom Beginn der Russischen Revolution erzählt, hat dem Rezensenten so gut gefallen, dass ihn das Fehlen neuer "Epochenerkenntnisse" nicht weiter stört.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017

Rezensent Jörg Baberowski findet, Catherine Merridale hätte ruhig etwas mehr professionelle Distanz wahren können bei ihrer Rekonstruktion von Lenins Reise in die Revolution von 1917. Dass der strenge Revolutionär am Zugfenster stehend vorüberziehende Erlen bewundert haben soll, nimmt der Rezensent der Autorin nicht ab. Darüber hinaus erfährt Baberowski leider auch nichts über die Revolution, was er nicht schon wusste, da die Autorin sich aufs "unterhaltsame" Erzählen verlegt und nichts erklärt. Über den kompromiss- und humorlosen Charakter Lenins weiß der Rezensent nach der Lektüre allerdings doch mehr als vorher.
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