Aus dem Französischen von Sabine Schwenk. Sie ist die Stimme, die jeder hört und niemand kennt. Sie lebt in Paris und arbeitet an der Gare du Nord. Als Bahnhofsansagerin kündigt sie die Züge an, begleitet sie Abschiede, Trennungen und Hoffnungen. Allein kehrt sie in ihre Wohnung zurück. Dort hofft sie auf den seltenen Anruf des Mannes, den sie liebt. Sie haben sich geküsst in einer Nacht, doch er lebt mit einer anderen Frau, die schön ist wie ein Engel und die ihr gegenüber so viele Vorzüge hat. So flüchtet sie sich in die Straßen der Stadt, in die Cafes und Bars an der Seine und in das trubelige Viertel um Les Halles; trifft auf Menschen, die so ungewöhnlich sind wie sie selbst und genauso einsam in ihrer Andersartigkeit. Sie tut scheinbar nichts, um zu verführen, und genau das ist es, dem auch er irgendwann nicht mehr widerstehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.08.2007
Gute Idee, enttäuschende Umsetzung. So ließe sich diese Besprechung von Celine Curiols Roman zusammenfassen. Laut Rezensent Joseph Hanimann versäumt es die Autorin gründlich, ihrem Text Profil zu verleihen und ihre Geschichte mit der nötigen Distanz zu erzählen. Der geschilderte "Alltag einer Einsamen" scheint auf die Autorin abzufärben. Derart, dass Curiol die Unschlüssigkeit ihrer Heldin übernimmt und, so findet Hanimann, viele Details des Textes "unglaubwürdig oder belanglos" geraten. Das positiv auffallende "journalistische Gespür" Curiols für Stimmungen wiederum findet Hanimann in einem Roman nicht unbedingt am besten Platz. Wenn das Buch "dennoch lesbar" ist, schließt der Rezensent, dann dank der Übersetzerin Sabine Schwenk und ihres "stimmigen" Tons.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.03.2007
Einen Debütroman mit "spürbaren literarischen Ambitionen" hat Marion Lühe da gelesen. Leider überwiegt der von Lühe gleichfalls festgestellte Mangel an Distanz zu "herkömmlichen Liebesroman-Klischees" die Ambitionen der Autorin um einiges. Ein Fünkchen Ironie beim Singen des Liebsleids, und die Rezensentin hätte vielleicht mit eingestimmt. Zumal Celine Curiol ja Beobachtungsgabe besitzt, wie Lühe an einigen Alltagsszenen erkennt. Nur von Liebe, klagt die Rezensentin, kann diese Autorin nicht schreiben, ohne auf psychologisches Küchenlatein zurückzugreifen. Oder ist diese Naivität vielleicht gewollt? Scheint so, als wolle Lühe sich diese Frage nicht stellen müssen.
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