Im ersten Band seiner Erinnerungen beschäftigt sich Chaim Noll mit seiner Kindheit im geteilten Berlin. Noll, der vor zwanzig Jahren nach Israel auswanderte und heute in der Wüste Negev lebt, wuchs in Ostberlin auf, als Sohn des bekannten DDR-Schriftstellers Dieter Noll, der zur privilegierten Führungsschicht des Landes gehörte. Doch nur vordergründig ist dieser Band eine Auseinandersetzung mit dem politischen System im Osten Deutschlands, gegen das Noll als junger Mann opponierte, bis er im Winter 1983 - nach Versuchen der Staatssicherheit, sich seiner Manuskripte zu bemächtigen - sein erstes Buch von Diplomaten in den Westen schmuggeln ließ und selbst einen Ausreiseantrag stellte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.05.2015
Schöne und interessante Passagen entdeckt Rezensentin Cornelia Geissler in Chaim Nolls Erinnerungen "Der Schmuggel über die Zeitgrenze" durchaus. Doch muss die Kritikerin zugleich gestehen, dass sie sich überwiegend durch Redundanzen gekämpft hat, etwa wenn Noll seine Kindheit in der - hier nicht gerade knapp erläuterten - DDR schildert. Den "würzig" erzählten Weg des Autors über seine Schwierigkeiten in der DDR, nachdem sein Vater, der Schriftsteller Dieter Noll, seinen Ruf mit einem offenen Brief an Honecker völlig zerstörte, liest die Rezensentin zwar gern - der 300 Seiten lange Weg dorthin verlangt ihr allerdings einige Anstrengung ab.
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